Wie die Euro- Antidepressiva die Inflation anheizen
12. Mai 2010
Mit dem gigantischen Rettungspaket kaufen sich die EU und der Währungsfonds etwas Zeit und holen temporär Vertrauen in die Einheitswährung zurück. Gleichzeitig setzen sie die Gesetze der Marktwirtschaft ausser Kraft. Ein Konkurs Griechenlands wird verhindert, obschon das Land ebenso wie andere notleidende Euro-Staaten kaum mehr in der Lage ist, seine Schulden zurückzuzahlen. Jene, die auf zu grossem Fuss gelebt haben, werden mit Kreditgarantien belohnt, die jene zahlen, die ihren Finanzhaushalt in Ordnung halten.
Die Milliardenhilfen wirken wie Antidepressiva: Kurzfristig kommt es zu einem Begeisterungszustand, doch sobald die Wirkung nachlässt, folgt die Ernüchterung. Das Risiko von Abschreibern auf maroden Staatsanleihen ist gesunken. Der Euro hat sich zum Franken und zum Dollar zeitweise leicht erholt. Doch gelöst sind die Schuldenprobleme überhaupt nicht. Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien kommen nicht darum herum, den Gürtel enger zu schnallen, ihre Ausgaben zu reduzieren und die Schulden zurückzuzahlen. Weil dies aber politisch schwer durchsetzbar ist, muss man sich auf neue Börsenabstürze einstellen.
Mit dem Hilfspaket wurde die Gewaltenteilung zwischen Geld- und Finanzpolitik verletzt. Der stark politisch motivierte Aufkauf von Staatsanleihen untergräbt die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Zentralbanken und heizt die Inflation an. Wenn Politiker Milliarden bereitstellen, sollte man nie vergessen: Am Schluss zahlen immer die Gleichen die Rechnung – die Steuerzahler und die Sparer, die letztlich immer weniger für ihr Geld erhalten.
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