Tag der Kinderrechte

20. November 2011

Der heutige Tag der Kinderrechte ist für uns Anlass, um der Frage nachzugehen, wie es Kindern in der Schweiz geht. Was sagt der Chef des Telecomkonzerns Sunrise auf die Fragen eines 12-Jährigen? Wie denkt der 14-jährige Noah Weber, der mit Stephanie Glaser in deren letztem Film «Mord hinterm Vorhang» die Hauptrolle spielte, über die Respektierung seines Freiraums? Was treibt die 9-jährige Turnerin Anina Wildi an, dass sie jede Woche 24 Stunden hartes Training absolviert? Das sind nur drei Beispiele von mehreren Beiträgen, in denen wir in dieser Ausgabe Themen aus der Perspektive von Kindern beleuchten. Im Vergleich zu vielen Ländern Afrikas und Asiens, wo Kinderrechte mit Füssen getreten werden und Kinderarbeit noch immer weitverbreitet ist, leben bei uns die meisten Kinder in paradiesischen Verhältnissen. Und doch gibt es auch bei uns viele Kinder, die leiden – etwa dann, wenn sich Eltern bei einer Scheidung übers Sorgerecht streiten.

Mit dem gemeinsamen Sorgerecht für Kinder, das Justizministerin Simonetta Sommaruga vergangene Woche vorgestellt hat, soll im Sorgerecht die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern eingeführt werden. Künftig würde nach einer Scheidung die gemeinsame elterliche Sorge für Kinder zum Regelfall. Was in der Sache überzeugt, dürfte in der Praxis allerdings für viele Konflikte sorgen. Zu oft sind Eltern nach einer Scheidung so zerstritten, dass selbst einfache Dinge nicht ohne verbale Verletzungen geregelt werden können. Immerhin muss sich das Gericht vergewissern, dass die Voraussetzungen für die gemeinsame Sorge wirklich gegeben sind.

Damit Kinder nicht über Jahre hinweg unter Streitereien leiden, braucht es aufseiten geschiedener Eltern einen höchst anspruchsvollen Reifeprozess. Längst nicht in allen Fällen wird dies gelingen. Umso wichtiger ist, dass die Gerichte in solchen Fällen nicht den Interessen der Elternteile Priorität einräumen, sondern das Kind anhören und sein Wohl wirklich durchsetzen. Ansonsten führt die berechtigte Forderung nach gleichem Recht für Väter und Mütter dazu, dass die Schwächsten das Nachsehen haben: die Kinder

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