Ein Euro-Zusammenbruch ist nicht wirklich vom Tisch
7. November 2011
To be or not to be: Ebenso dramatisch wie bei Shakespeare ging es in den letzten Tagen in der Euro-Schuldenkrise zu und her. Es ging um nichts weniger als um die Zukunft der Einheitswährung. Hätte das Referendum nicht beerdigt werden können, wäre ein Bankrott und Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone wahrscheinlich gewesen. Grund zum Aufatmen gibt es nach wie vor nicht: Trotz Regierungsumbildung in Athen ist ein Euro-Zusammenbruch nicht wirklich vom Tisch. Die Akzeptanz für die Sparmassnahmen in der griechischen Bevölkerung ist gering . Die wenigsten wollen sich vom Leben auf Pump verabschieden. Und in Italien – nach Griechenland der Eurostaat mit den höchsten Schulden – sind die Risiken hoch, dass nicht nur die untragbare Regierung von Silvio Berlusconi, sondern auch das wirtschaftlich angeschlagene Land abstürzt.
Vor dem Hintergrund des neusten Beinahe-Crashs des Euro wirkt die Idee, das Mindestwechselkursziel für den Franken zum Euro von 1.20 auf 1.30 Franken zu erhöhen, kühn. Natürlich ist eine Anhebung für die Exportwirtschaft und den Tourismus in der Schweiz wünschenswert. Ich zweifle allerdings, dass der Zeitpunkt dafür wirklich schon günstig ist. Sollte nach Griechenland Italien oder ein anderer Schuldenstaat in Schieflage geraten, wäre die Nationalbank bei einem Kursziel von 1.30 Franken zu umfangreichen und teuren Deviseninterventionen gezwungen.
Geraten Italien oder Spanien in Not, ist die Eurozone als Ganzes gefährdet. Die beiden Länder sind nach Deutschland und Frankreich die bedeutendsten Volkswirtschaften im Euroland. Bei einem solchen Flächenbrand würde selbst der aufgestockte EuroRettungsfonds nicht mehr genügen. Eine Beteiligung der Schweiz an diesem Fonds, wie es von deutscher Seite angeregt wurde, kommt nur schon nicht infrage, weil die Nationalbank ihre Reserven für die Verteidigung ihres heutigen Mindestkursziels braucht.
Etwas hat uns die neuste Eskalation der Schuldenkrise vor Augen geführt: Die Tatsache, dass eine so unbedeutende Volkswirtschaft wie Griechenland die Wirtschaftswelt zum Zittern bringen kann, zeigt, wie instabil nicht nur Griechenland, sondern auch unser Finanzsystem als Ganzes ist. Das muss uns zu denken geben.