Lassen Sie Sulzer arbeiten, Herr Dormann
19. August 2009
Anders als in der legendären Geschichte des tapferen David gegen den mächtigen Goliath hatten die Kleinaktionäre im Machtkampf um Sulzer nicht den Hauch einer Chance gegen Viktor Vekselberg. Mit knapp 32% der Stimmen hat dessen Renova-Gruppe die Winterthurer Traditionsfirma fest im Griff. Kritische Verwaltungsräte wurden kurzerhand rausgeworfen. Dank der neuen Mehrheit im VR und dem ihm genehmen Ex-ABB-Präsidenten Jürgen Dormann an der Spitze kann der russische Milliardär den Kurs von Sulzer weitgehend frei bestimmen -als wärs eine Familienfirma. Doch genau das ist sie nicht.
Für den Sulzer-Konzern, der die Folgen der Rezession ebenfalls zu spüren bekommt und 1400 Jobs abbauen muss, kommt der Machtkampf zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Er verunsichert Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre. Dabei hätte Sulzer alle Voraussetzungen, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Der Konzern ist mit seinen Produkten gut aufgestellt, finanziell solid und verfügt mit Ton Büchner über einen fähigen CEO, der das Unternehmen mit sicherer Hand durch die turbulenten Märkte führt.
Eine besondere Verantwortung hat der mit der Macht Vekselbergs neu gewählte VR-Präsident: Wenn Sie, Herr Dormann, die operative Stärke von Sulzer, aber auch Ihre eigene Reputation nicht aufs Spiel setzen wollen, müssen Sie dafür sorgen, dass an der Firmenspitze endlich Ruhe einkehrt. Und Sie müssen transparent machen, was die Ziele Vekselbergs sind. Das Dümmste, was Sie jetzt tun können, wäre jedenfalls, die Strategie zu ändern. Lassen Sie die Angestellten von Sulzer arbeiten. Während sich der VR streitet, machen die nämlich einen ausgezeichneten Job.
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