Ist das WEF nur ein teurer Zirkus?
22. Januar 2012
Der Aufmarsch ist gewaltig: 40 Staats- und Regierungschefs, 2600 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie fast der gesamte Bundesrat nehmen ab Mittwoch am World Economic Forum in Davos teil. Wegen der immensen Sicherheitsvorkehrungen gleicht der Bündner Ferienort einer Festung. Viele in der Schweiz fragen sich:
Ist das WEF nur ein teurer Zirkus, oder kann das Treffen tatsächlich etwas bewirken? Beides ist richtig. Bei aller Kritik sollten wir ehrlich sein: Die Schweiz profitiert im grossen Stil vom Weltwirtschaftsforum. Nirgendwo auf der Welt lassen sich innert weniger Tage so unkompliziert Verträge einfädeln, von denen wir letztlich alle direkt oder indirekt profitieren – politisch und wirtschaftlich. Warum sind wir eigentlich nicht stolz darauf, dass all die Mächtigen aus aller Welt ausgerechnet zu uns nach Davos reisen? Klar sind auch die vielen Schaumschläger vertreten, die in Davos gerne Wasser predigen und Wein trinken, über den Klimawandel debattieren und sich dann mit der Luxuslimousine zum nächsten Meeting chauffieren lassen. Deswegen das WEF nur als Jahrmarkt der Eitelkeiten abzutun, wird dem Lebenswerk des WEF-Gründers Klaus Schwab nicht gerecht. Pfannenfertige Auswege aus der Schuldenkrise wird das WEF nicht liefern. Wenn es aber nur schon gelingt, all die Mächtigen dazu zu bringen, über den nötigen Wandel in der Wirtschaft und im Staat ernsthaft nachzudenken, ist schon einiges gewonnen. Denn aus der Bankenkrise 2008 haben längst nicht alle etwas gelernt. Sonst würden viele Firmen und Länder nicht schon wieder tief im Sumpf stecken und dafür sorgen, dass wir mit einem Konjunkturabschwung konfrontiert sind. Deswegen gleich das Ende des Kapitalismus zu proklamieren, ist ein Blödsinn. Alternativen sind kläglich gescheitert. Um das verloren gegangene Vertrauen in die Wirtschaft und die Staaten zurückzugewinnen, braucht es nicht hoch komplizierte neue Modelle, die sich allzu oft als leere Worthülsen entpuppen. Nötig sind vielmehr Werte, die jede und jeder versteht: Anstand, Aufrichtigkeit und Haltung.
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