Die CS ist die Gewinnerin der Krise – Risiken dürfen aber nicht unterschätzt werden

11. Februar 2010

 

Es ist die Woche der Bankabschlüsse: Nach der UBS am Dienstag hat heute auch die Credit Suisse über ihren Geschäftsgang informiert. Anders als die UBS hat die CS sowohl im gesamten 2009 als auch im 4. Quartal ausgezeichnete Gewinne verbucht. Die CS hat gar das drittbeste Resultat in ihrer Firmengeschichte erreicht. Dennoch hinterlassen die Zahlen nicht nur Begeisterung: Der Konzerngewinn von 6,7 Mrd Fr., den die CS für 2009 ausweist, liegt unter den Erwartungen. Am Markt hat man mit 7,2 Mrd Fr. gerechnet. Immerhin: Die CS macht wieder Gewinn wie in guten alten Zeiten noch vor der Finanzkrise. Den Verlust, den auch die CS noch im 2008 eingefahren hatte, erwies sich im Nachhinein als ein einmaliger Ausrutscher.

Weniger schön sieht das 4. Quartal aus. Da liegt der Gewinn ebenfalls unter den Erwartungen und fällt auch tiefer aus als im 3. Quartal. Verantwortlich dafür sind Kosten von rund 450 Mio Fr., welche die CS für einen Vergleich wegen Dollartransaktionen mit sogenannten Schurkenstaaten wie Iran in den USA zahlen musste. Neben den Gewinnzahlen ist am meisten von Interesse der Nettogeld-Zufluss: Da sind der CS im letzten Jahr rund 44 Mrd Fr. zugeflossen, obwohl die Grossbank wegen der Steueramnestie in Italien Abflüsse verbuchen musste. Der Nettoneugeldzufluss zeigt, dass die CS Marktanteile gewinnt und nicht nachhaltig unter der Finanzkrise gelitten hat. Im Gegenteil: Sie konnte das Vertrauen bei den Kunden sogar stärken.

Interessant ist der direkte Vergleich zwischen CS und UBS: Da schneidet die CS praktisch bei allen Kennzahlen derzeit besser ab. Beim Jahresgewinn 2009 ohnehin: Da hat die UBS ja 2,7 Mrd Fr. in den Sand gesetzt. Die CS hingegen 6,7 Mrd Fr. verdient. Den wichtigsten Unterschied sieht man im wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft: Da hat die UBS im letzten Jahr 147 Mrd Fr. Kundengelder verloren, die CS hingegen 44 Mrd. Fr. dazugewonnen. Ebenso im 4. Quartal, wo die UBS 56 Mrd Fr. an Kundengeldern abgeben musste, die CS im gleichen Zeitraum aber 12 Mrd Fr. dazugeholt hat. Genau diese verwalteten Vermögen sind Basis für die Gewinne der Zukunft.

Werfen wir noch einen Blick auf die Kapitalbasis der beiden Grossbanken: Auch da schneidet die CS besser ab: Sie weist eine Kernkapitalquote von 16,3% aus. Bei der UBS sind es nur 15,4%. Und noch etwas: Die CS zahlt eine Dividende von 2 Fr., die UBS muss dagegen erneut auf eine Dividende verzichten.

Die CS brilliert also im Vergleich zur UBS. Deshalbb hat ja die CS und die UBS bei der Börsenkapitalisierung als grösste Bank von der Schweiz abgelöst. Trotzdem gibt es auch bei der CS ein paar gravierende Risiken: Erstens stellt sich die Frage, wie nachhaltig der Rekordgewinn im Investment Banking bei der CS wirklich ist. Zweitens ist unklar, ob und wie tief die CS in die deutsche Steueraffäre verwickelt ist. Falls tatsächlich Kundendaten der CS bei den deutschen Steuerfahndern gelandet sind, würde das der CS sicher schaden. Und drittens wird auch die CS – ebenso wie die UBS – unter der geplanten strengeren Regulierung der US-Regierung leiden. Trotz guten Zahlen kann also auch die CS-Führung nicht ganz sorglos in die Zukunft schauen. Aber sie hat ganz sicher einige gravierende Probleme weniger als die Konkurrentin UBS und ist somit klar eine Gewinnerin der Krise.

Eine Reaktion zu “Die CS ist die Gewinnerin der Krise – Risiken dürfen aber nicht unterschätzt werden”

  1. M. Schmidam 12. Februar 2010 um 20:24 Uhr

    Gegenwärtig haben wir die gute CS vor der schlechten UBS. In der letzten Kriese war es umgekehrt. Ob der Verlust aus dem Jahr 2008 ein Einmaliger Ausrutscher war, ist zu hoffen. Die UBS hat sich selbst schwer geschadet. Die CS brauchte Jahre, um sich von ihrem Versagen zu erholen. Das sollte sie vernünftig gemacht haben. Ihr Lehrer sitzt jetzt bei der UBS. Hoffentlich stehen bei der nächsten Kriese beide Grossbanken gut da. Dann sehen wir, wie viel sie gelernt haben.

    Sollten Daten von der CS in die “Datenaffäre” verwickelt sein, schadet es gewiss. Der Druck ist ohnehin da und betrifft den gesamten Finanzplatz Schweiz. Auch der CS täte ein klarer Kurs der Schweiz gut. Da die CS seit einer Weile auf Onshore setzt, hat sie hier einen Vorteil. Das Geschäft ist profitabel und kann ausgebaut werden. Ob das Investment Banking nachhaltig profitabel ist, hängt von vielen Faktoren ab, mit denen nicht nur die CS konfrontiert ist und sie nur begrenzt beeinflussen kann. Dazu zählt die Bankenregulierung. Was vom Angekündigten übrigbleit, wird sich zeigen. Die “Tea-Party-Bewegung” wird stärker. Die Banken arbeiten hinter den Kulissen. Grosse Spenden warten auf Förderer, nachdem der Supreme Court die Begrenzung der Spendenhöhe für Verfassungswidrig erklärt hat. Vieles kann davon abhängen, auf welches Thema sich der Wahlkampf konzentriert. Sicher kommen regulatorische Herausforderungen auf die CS und Co. zu.

    Ich bin ganz froh, dass die CS-Führung nicht sorglos ist. Das hält sie wachsam.

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