Mit FDP-Präsidium Wechsel die Chance nutzen, den Kurs der Partei zu korrigieren
31. Oktober 2011
Bei den eidgenössischen Wahlen wurden mit der GLP und der BDP zwei junge Parteien in der politischen Mitte gestärkt. Den etablierten Bundesratsparteien FDP, SVP, CVP und SP haben die Wählerinnen und Wähler einen Denkzettel verpasst. Während sich die SP einigermassen gehalten hat, wurde der Höhenflug der SVP gestoppt. Weiter abwärts geht es mit der FDP. Umso erstaunlicher ist, dass die FDP vor dem Wochenende bekannt gegeben hat, dass sie trotz Sitzverlusten ihre Strategie nicht ändern wolle.
Die Schweiz sei weniger liberal als vor vier Jahren und noch weniger liberal als vor zehn Jahren, klagt der auf nächsten Frühling abtretende Parteipräsident Fulvio Pelli. Genau das ist falsch. Die Schweiz ist heute nicht weniger liberal als früher. Vielmehr gelingt es der FDP immer weniger, die liberalen Schweizerinnen und Schweizer für sich zu gewinnen. Einige sind zu anderen Parteien abgesprungen, andere haben sich von der Politik abgewandt. Im Bestreben, es allen recht machen zu wollen, verliert die FDP stetig an Profil. Sichtbar wird dies in der Wirtschafts- und der Energiepolitik, wo die Partei auf nationaler Ebene oft einen Zickzackkurs gefahren hat. Statt sich in der Debatte um zu hohe Managerlöhne, den starken Franken oder die Atomenergie mit ihrer Wirtschaftskompetenz und eigenständigen Ideen zu profilieren, hat sie laviert und das Feld zu lange der SP, SVP und Kleinparteien überlassen. Ins Bild passt, dass mit Johann Schneider-Ammann ausgerechnet ein FDP-Bundesrat als Wirtschaftsminister kommunikativ höchst unglücklich agiert.
Eine echte Volkspartei wird die FDP nie. Darum sollte der Wechsel im Präsidium genutzt werden, um den Kurs der Partei zu korrigieren. Als Gründerpartei des Schweizer Bundesstaates müsste sich die FDP auf ihre Wurzeln im Liberalismus besinnen und den Mut haben, sich konsequent als breit abgestützte, weltoffene Wirtschaftspartei mit liberalen Werten zu profilieren. Damit könnte sich die FDP klarer gegenüber ihrer Konkurrenz rechts und links im Parteienspektrum abgrenzen und an frühere Erfolge anknüpfen.