Dass Oswald Grübel geht, ist richtig
26. September 2011
Ossi Grübel liebt schnelle Autos. Jetzt ist er nicht mehr an Bord , während einige Verwaltungsräte der UBS heute in Singapur das Formel-1-Rennen, das die Bank mit Millionen sponsert, mitverfolgen. Wieder mal hat die Bank die Kurve nicht gekriegt und steigt nach einem teuren Boxenstopp mit Sergio Ermotti neu ins Rennen.
Warum aber ernennt der UBS-Verwaltungsrat Sergio Ermotti nur adinterim zum neuen Konzernchef?
Die halbherzige Entscheidung irritiert. Bedeutet dies, dass die Verwaltungsräte unsicher sind, ob der Tessiner für die Leitung genügend qualifiziert ist, oder soll doch noch ein Spitzenbanker aus dem Ausland angeheuert werden? Statt Ruhe einzubringen und Führungsstärke zu beweisen, bleibt für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre offen, wer letztlich die Bank durch die Krise führt. Der fehlende Mut, Sergio Ermotti definitiv zu ernennen, weist darauf hin, dass die Ablösung von Oswald Grübel nicht so freiwillig erfolgte, wie es jetzt dargestellt wird. Dass Grübel geht, ist richtig. Er war es, der ausgerechnet das Investmentbanking ausgebaut hatte – mit dem Ziel, unrealistisch hohe Renditen zu erwirtschaften, und bewusst höhere Risiken eingegangen ist. Damit trägt er für die mangelnde Risikokontrolle, die den Milliardenbetrug in London erst möglich gemacht hat, Mitverantwortung. Unverständlich ist, dass der Chef des UBS-Investmentbanking, Spitzenverdiener Carsten Kengeter, ungeschoren davonkommt.
Ebenso wichtig wie der Führungswechsel ist, dass die UBS aus der neusten Krise strategisch die Konsequenzen zieht, endlich das Steuer herumreisst und das riskante und zu oft verlustreiche Investmentbanking redimensioniert. Nicht Temporausch wie in der Formel-1 ist jetzt gefragt. Sonst droht der nächste Crash. Wegen der ungelösten Schuldenkrise in Europa und den USA sind für den Bankensektor die Risiken ohnehin massiv gestiegen. Umso mehr muss die UBS – ebenso wie die CS, der in Amerika eine Klage und eine Milliardenbusse droht – jetzt auf Stärken setzen, wie sie die Schweiz auszeichnen: Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, Sicherheit und Stabilität. Wie das funktioniert, könnten die hoch bezahlten Banker bei der Schweizer Uhrenbranche lernen, die selbst die Frankenkrise bis jetzt erstaunlich erfolgreich meistert.