29. August 2011
Historisches ereignet sich auch in Libyen, wo das noch vor einem Jahr undenkbare Ende der Diktatur von Muammar al-Ghadhafi besiegelt scheint. Eindrücke von den brutalen Bedingungen für die Zivilbevölkerung erhalten Sie in unserer Reportage aus den Strassen von Tripolis. Die Bilder von zerstörten Ghadhafi-Statuen erinnern viele von uns an die bangen Monate, als der Diktator zwei Schweizer als Geiseln hielt und die Zerschlagung unseres Landes forderte.
In den nächsten Tagen hören wir, wie der Bundesrat das 2-Milliarden-Hilfspaket gegen den starken Franken einsetzen will. Weit wirksamer als ein kurzfristiger Geldsegen wäre, wenn der Bundesrat mit den Verhandlungen für Freihandelsabkommen mit China, Indien und Russland vorwärts machte.
Das bringt unseren Export- und Tourismusbetrieben auf Jahre hinaus Aufträge und Gäste aus jenen Weltregionen, wo die Wirtschaft – anders als im überschuldeten Europa und den USA – stark wächst. Damit würden Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert und unser Export und der Tourismus nachhaltig gestärkt.
22. August 2011
Was wir derzeit erleben, ist weit mehr als ein heftiges Börsengewitter. Es ist eine historische Umwälzung, die über die Wirtschaft hinaus in Politik und Gesellschaft tief greifende Veränderungen auslöst. Die USA sind faktisch pleite, und auch Europa sitzt auf unlösbaren Schuldenproblemen. Der Franken dürfte sich gegenüber dem Euro und Dollar vorderhand kaum sehr stark und schon gar nicht nachhaltig erholen. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur abkühlt und in Schieflage geratene Banken das Finanzsystem erneut auf die Probe stellen. Darum ist es klug, dass die Nationalbank noch nicht alle Trümpfe ausgespielt hat. Bei einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise wird sie allerdings nicht darum herumkommen, eine Untergrenze für den Euro-Wechselkurs zu fixieren. Angesichts der Verwerfungen, deren Folgen wir erst ansatzweise spüren, darf das 2-Milliarden-Hilfspaket des Bundesrats nicht dazu führen, dass ganze Branchen dauerhaft subventioniert werden. Auch muss verhindert werden, dass Firmen ihre Gewinne dank Bundeshilfe aufbessern. Damit würde das Vertrauen der Bevölkerung, das in der SonntagsZeitungs-Umfrage in den hohen Zustimmungswerten zum Ausdruck kommt, missbraucht. Gerechtfertigt ist der Einsatz von Steuerfranken nur, wenn sichergestellt ist, dass nicht solche profitieren, die es gar nicht nötig haben. Vielmehr müssen die Massnahmen dazu beitragen, den Export- und Tourismussektor auf lange Sicht robuster gegenüber Währungsturbulenzen zu machen und Exportfirmen dank neuer Freihandelsabkommen wettbewerbsfähiger. Statt kurzfristige Pflästerli-Politik gilt es vor allem, KMU winterfest zu machen – damit sie langfristig mit einem harten Franken leben können, auch in frostigen Zeiten in der Schweiz investieren und Arbeitsplätze sichern.
15. August 2011
Halten die uns für blöd, fragt man sich als Konsument angesichts massiv überteuerter Preise bei importierten Waren. Dank Währungsgewinnen bereichern sich Importeure schamlos und schaden der Schweiz stark: weil sie die Konsumenten scharenweise für den Einkauf ins Ausland treiben, hierzulande für Umsatzeinbussen sorgen und KMU zwingen, zu teuer zu produzieren. Viel zu lange haben Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und die Wettbewerbskommission tatenlos zugeschaut. Es wird höchste Zeit, dass sie aktiv werden. Mindestens so wirksam wie politische Massnahmen ist der Schachzug von Coop: Es ist richtig, wenn Grossverteiler Produkte von Markenherstellern aus den Regalen werfen, die Währungsgewinne nicht weitergeben. Wenn Migros, Denner und weitere Händler nachziehen und wir Konsumenten überteuerte Importprodukte boykottieren, kriegen selbst Markengiganten ein Problem. Das dürfte auch Importeure anderer Branchen bewegen, endlich ihre Preise zu senken.
Anders als im Kampf gegen überteuerte Importwaren braucht es in der Geldpolitik nun keine Hektik mehr: Es wäre ein Fehler, wenn die SNB schon jetzt ihren stärksten Trumpf ausspielte und ein in der Sache richtiges Euro-Wechselkursziel von 1.10 Franken kommunizierte. Dieses zu verteidigen, ist machbar, aber teuer. Solange es gelingt, Spekulanten mittels geschickter Rhetorik zu verjagen, sollte die SNB die Geldschleusen vorderhand nicht noch mehr öffnen. Denn die eingeleiteten Massnahmen der Nationalbank zeigen bisher Wirkung. Das müssen selbst härteste Kritiker von SNB-Präsident Philipp Hildebrand im Lager von SVP-Stratege Christoph Blocher kleinlaut eingestehen.
8. August 2011
Die Abstufung der Kreditwürdigkeit ist ein Tiefschlag für die Grossmacht USA. Nach den Panikverkäufen an den Börsen kommt der Entscheid für die verunsicherten Finanzmärkte zum denkbar dümmsten Zeitpunkt. Doch das scheint den selbsternannten Finanzgöttern der Rating-Agentur Standard & Poor’s egal zu sein. So sehr man sich über die Arroganz und etlichen Fehlbeurteilungen der Rating-Agenturen zu Recht ärgert, ist es eine Tatsache: Die USA sind kein Topschuldner mehr – sondern nur noch top im Schuldenmachen. Kein Volk lebt so sehr auf Pump wie die Amerikaner. Warum eigentlich soll man die Amerikaner – anders als die Griechen, Spanier, Italiener oder Portugiesen – schonen und mit Samthandschuhen anfassen? Immerhin ist der Schuldenberg der USA für die Weltwirtschaft mindestens ein so grosses Pulverfass wie jener der Euroländer.
In der Vergangenheit waren Amerika und der Dollar weltweit der sichere Hafen in unsicheren Zeiten. Damit ist es vorbei. Diese Rolle haben der Franken und das Gold übernommen. Der Rating-Entscheid drückt den Dollar noch tiefer in den Keller, macht Kredite teurer und lässt den Franken weitersteigen. Das schwächt unseren Tourismus und die Exportfirmen, zumal die USA nach der EU unser zweitwichtigster Exportpartner sind. Zwar hat die Nationalbank mit der Zinssenkung und Liquiditätsausweitung signalisiert, dass sie gegen eine weitere Franken-Erstarkung kämpfen werde. Doch diese Massnahmen genügen nicht. Nach dem neusten, rasanten Kurszerfall von Euro und Dollar sollte die Nationalbank eine Untergrenze für den Euro – zum Beispiel auf 1.10 Franken – festlegen und verteidigen. Das wäre geldpolitisch machbar und würde Klarheit schaffen. Zusätzlich müssen Wettbewerbskommission und Preisüberwacher Instrumente erhalten, um gegen Importeure vorzugehen, welche Währungsgewinne in die eigene Tasche stecken, statt an uns Konsumenten weiterzugeben. Damit könnte eine Abschwächung der Konjunktur in der Schweiz zwar nicht mehr ganz verhindert, aber immerhin noch abgefedert werden.
2. August 2011
Und wieder ist es das Investment Banking, wo horrende Löhne bezahlt werden, das beiden Instituten Sorgen bereitet. Ausgerechnet in diesem Bereich hatte CS-Chef Brady Dougan im grossen Stil investiert – und sich verrechnet. Statt der Erträge sind die Kosten explodiert. Und es resultiert ein hoher Handelsverlust. Auch bei Oswald Grübel von der UBS ist das Kalkül nicht aufgegangen: Seine Bank werde mittelfristig 15 Milliarden Franken Gewinn erwirtschaften, stellte er kühn in Aussicht. Nun musste er kleinlaut zugeben, was alle längst wussten: dass dieses Ziel völlig unrealistisch ist. Stattdessen sollen bis zu 2 Milliarden Franken Kosten eingespart werden. Fehleinschätzungen gibt es überall. Ich bin allerdings gespannt, ob CS und UBS nach den schwachen Zahlen nicht nur Jobs streichen, sondern nun auch bei den Millionenlöhnen ihrer Topkader den Rotstift ansetzen.
Angesichts der düsteren Aussichten dürften die Steuerbeiträge der Grossbanken an Bund und Kantone enttäuschen, obschon CS und UBS massiv davon profitieren, dass die Politik erneut für den Finanzplatz die Kastanien aus dem Feuer holt wie im Steuerstreit mit Deutschland sowie im Hinblick auf Untersuchungen der USA gegen die CS. Noch stärker prägen das Image unseres Landes allerdings die Schweizer Uhren und unsere Uhrenhersteller, die unternehmerisch oft langfristiger agieren als die wegen ihrer Hauruckübungen kritisierten Grossbanken. So ist es wohl kein Zufall, dass die Swatch Group von Nick Hayek dem harten Franken trotzen und anders als die CS und UBS gerade ausgezeichnete Halbjahreszahlen präsentieren konnte.Davon könnten auch die Grossbanken einiges lernen.