Monatsarchiv für Juni 2011

Harter Franken erfordert harte Fitnesskur

28. Juni 2011

Laut sind derzeit die Klagen in der Wirtschaft und der Politik über den starken Franken. Doch bevor wir alle gedankenlos in dieses Klagelied einstimmen und hektisch irgendwelche Massnahmen fordern, sollten wir uns überlegen, welches die Alternative ist. Hand aufs Herz: Wollen wir wirklich einen schwachen Franken? Was eine weiche Währung bedeutet, erleben derzeit die Bürgerinnen und Bürger in Euroland und in den USA, die faktisch immer ärmer werden: Ihr oft durch Entbehrungen und mit Fleiss erarbeitetes Spargeld hat immer weniger Wert. Viele Konsumgüter, Kredite und Mieten werden teurer. In der Schweiz hingegen profitieren wir davon, dass der Preisanstieg bei Rohwaren wie Öl und Benzin durch den harten Franken abgefedert wird und generell unsere Kaufkraft steigt.  Natürlich leiden unsere Exportfirmen und der Tourismus ): Doch statt zu lamentieren und auf wenig durchdachte Staatshilfen, wie sie Bundesrat Schneider-Ammann mit dem vorgezogenen Ersatz der Tiger-Militärjets ins Spiel gebracht hat, zu warten, sollten wir uns fragen: Wie können wir Produkte und Dienstleistungen Made in Switzerland noch besser machen, damit wir die Preisnachteile und die Margenerosion kompensieren? Die Frankenstärke ist nicht eine Katastrophe, sondern eine Aufforderung an uns, innovativer, effizienter und kreativer zu werden. Sind wir ehrlich: Der Wohlstand hat viele von uns träge gemacht. Die Frankenstärke erfordert eine harte Fitnesskur – zugegeben kein leichter Spaziergang – von unseren Industriefirmen, von den Tourismusbetrieben und von uns allen. Sie bietet die Chance für einen Innovationsschub, der neue Jobs bringt und unser Land robust macht – wie der harte Franken.

Bundesverwaltung fällt im Transparenztest durch

22. Juni 2011

Wie reagiert die Bundesverwaltung auf unbequeme Anfragen von Bürgern? Dieser Frage gingen wir im Rahmen einer verdeckten Recherche nach, in der wir 53 Ämter getestet haben. Das Fazit ist ernüchternd: Der Bundesverwaltung fehlt der Wille zur Transparenz, obschon sie gemäss Öffentlichkeitsgesetz dazu verpflichtet wäre. Pikant: Selbst das Justizdepartement von Bundesrätin Simonetta Sommaruga verpasste es, die eigenen Gesetze umzusetzen In der Schweiz gebe es immer mehr Islam-Kämpfer, warnte Verteidigungsminister Ueli Maurer Anfang Mai bei uns im Interview. Wir wollten es genauer wissen: Ein vierköpfiges Team der SonntagsZeitung recherchierte während eines Monats im In- und Ausland und brachte dabei nicht nur ans Licht, dass ein Mann aus der Region Biel als Al-Qaida-Kämpfer im Irak starb und seither als Märtyrer verehrt wird, sondern auch, dass sich weitere Männer aus der Schweiz in Terrorcamps ausbilden lassen und als Jihadisten wirken. Erstaunlich dabei: Der Schweiz fehlen die Paragrafen, um solche Leute wirksam zu überwachen.

Löhne von Spitalärzten unter die Lupe nehmen

14. Juni 2011

Manager werden gerne als Abzocker betitelt. Ärzte hingegen sind die Götter in Weiss. Beide verfügen oft über ein dickes Lohnkonto. Ärzte retten Leben, haben ein langes und hartes Studium hinter sich, arbeiten viel und oft auch dann, wenn andere feiern: Das sind durchaus überzeugende Argumente, die dafür sprechen, dass Ärzte gut verdienen dürfen. Lohnexzesse von Spitalärzten hingegen mit Bezügen von bis zu einer Million Franken oder noch mehr sind nicht akzeptabel, weil diese von uns Krankenkassenprämien- und Steuerzahlern mitfinanziert werden. Spitäler erhalten in den meisten Fällen öffentliche Subventionen. In diesem Umfeld haben Lohnübertreibungen nichts zu suchen. Ausgerechnet Jacques de Haller, der für die SP in den Nationalrat will, verteidigt als Präsident des Ärzteverbandes FMH die Lohnexzesse: «Wenn wir die Löhne bei führenden Ärzten begrenzen, haben wir die grössten Probleme, gute Fachpersonen für uns zu gewinnen.» Erinnern Sie sich? Auch bei Managern wird argumentiert, es brauche Millionensaläre, weil Firmen sonst nicht die besten Talente gewinnen können. In beiden Fällen ist die Argumentation nicht stichhaltig. Kommt hinzu, dass monetär getriebene Mediziner nicht zwangsläufig die besten Ärzte sind.

Es ist ein Hohn, dass Normalverdiener, die seit Jahren unter massiv steigenden Krankenkassenprämien leiden, direkt und indirekt Spitzenlöhne von Spitalärzten und -direktoren mitfinanzieren. Darum ist eine klare Trennung zu ziehen zwischen Ärzten, die ohne direkte und indirekte Unterstützung als freie Unternehmer arbeiten, und jenen, die zur Äufnung ihrer privaten Honorare munter steuerlich subventionierte Spitalinfrastruktur nutzen. Kantone, Krankenkassen und Gesundheitsminister Didier Burkhalter müssen jetzt die Löhne von Spitalärzten und -direktoren unter die Lupe nehmen und Exzesse zulasten von Prämien- und Steuerzahlern verhindern.

Glaubwürdigkeit der Fifa muss rasch wieder hergestellt werden

6. Juni 2011

Sepp Blatter lässt niemanden kalt. Wenige Persönlichkeiten in der Schweiz polarisieren so stark wie er. Für die einen ist er ein Sonnenkönig, der über einen korrupten Weltfussballverband gebietet. Für andere ist er ein grosser Förderer des Fussballs, dem zu Unrecht unlautere Absichten unterstellt werden. Was vor der Wiederwahl des Fifa-Präsidenten hinter den Kulissen geschah und wo möglicherweise gegen Fairplay verstossen wurde, zeichnen wir im Fokus-Bund nach. Tatsache ist: Nach seiner Wiederwahl muss Blatter beweisen, dass seine Reformen mehr sind als leere Versprechen. Dass die Weltmeisterschaften nicht mehr durch das Exekutivkomitee, sondern durch die 208 Mitglieder des Kongresses vergeben werden, weist in die richtige Richtung. Doch das genügt nicht. Damit die Glaubwürdigkeit der Fifa rasch wieder hergestellt wird, braucht es Transparenz und eine unabhängige Überwachung aller wichtigen Entscheidungsprozesse: So wie im Fussballspiel, wo unbestechliche Schiedsrichter über die Einhaltung der Regeln wachen.