Monatsarchiv für März 2011

Fusion zwischen Novartis und Roche immer wahrscheinlicher

29. März 2011

Kommt es zur grossen Pharmafusion von Roche und Novartis? Nach dem Ausstieg der Basler Kunstmäzenin Maja Oeri aus dem Aktionärspool verlieren die Erben der Firmengründer die Mehrheit. Die Festung Roche wird angreifbar, zumal Konkurrentin Novartis schon heute 33,3 Prozent der Stimmen von Roche besitzt. Novartis-Chef Daniel Vasella hatte den Grundstock für das Paket vor Jahren dem Schwyzer Financier Martin Ebner abgekauft. Wie stellen sich die Roche-Familienaktionäre zu einer Übernahme durch Novartis? Eine Milliardenfusion von Roche und Novartis wäre ein Erdbeben für den Wirtschaftsplatz Schweiz und hätte den Abbau von Tausenden von Jobs zur Folge. Das einst Undenkbare wird immer wahrscheinlicher.

Wenn Politiker Zickzackkurs fahren, kommt dies beim Wahlvolk schlecht an

29. März 2011

Die Katastrophe in Japan bringt nicht nur einen Umbruch in der Atomdebatte. Sie beeinflusst auch das Stimmverhalten im Wahljahr 2011 stark. Das zeigt das neuste Politbarometer der SonntagsZeitung. Während die Grünliberalen deutlich zulegen, bricht die FDP ein. Auch wenn sich das Bild bis zu den Wahlen im Herbst verändern kann, zeigt die Momentaufnahme: Wenn Politiker Zickzackkurs fahren, kommt dies beim Wahlvolk schlecht an. Die Kehrtwende von FDP-Präsident Fulvio Pelli in der Atompolitik nach dem Erdbeben wirkt etwa gleich glaubwürdig, wie wenn SP-Chef Christian Levrat plötzlich für eine Stärkung des Bankgeheimnisses kämpfen würde. Pelli ist kein Einzelfall. Statt zu führen, rennen viele Politiker der öffentlichen Meinung nach. Egal, ob links oder rechts: Wähler wollen keine Windfahnen, die ihre Prinzipen locker über Bord werfen.

Weichen für eine energiepolitsche Zukunft müssen rasch gestellt werden

28. März 2011

74 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind gegen den Bau von zwei neuen Atomkraftwerken. 87 Prozent wünschen sich mittelfristig gar einen Totalausstieg aus der Atomenergie. Das zeigt die Umfrage der «SonntagsZeitung». Das klare Resultat zeigt: Die Tragödie in Japan führt zu einem Umbruch in der Energiedebatte. Nicht nur im Volk, selbst bei Befürwortern der Atomenergie aus CVP und FDP machen sich immer mehr Zweifel breit, ob Abstimmungen über Atomvorlagen wie jene um das AKW Mühleberg heute noch zu gewinnen sind. Auch wenn die Schweiz anders als Deutschland, wo gestern das letzte von sieben älteren AKW vom Netz genommen wurde, eine langsamere Gangart einschlägt, muss die Schweiz die Weichen für ihre energiepolitische Zukunft rasch stellen. Gaskraftwerke sind keine überzeugende Alternative. Doch woher soll unser Strom kommen? Und wie sieht die Zukunft der Energieversorgung aus? Unabhängig davon, welches Szenario gewählt wird, etwas ist sicher: Unser Strom wird deutlich teurer.

Verhängte Flugverbotszone über Libyen war wichtig

21. März 2011

Während die Weltöffentlichkeit geschockt auf Japan blickte, beschossen in Libyen Ghadhafis Truppen mit schweren Waffen Wohngebiete in der von den Aufständischen gehaltenen Stadt Benghazi. Von weiteren Gräueltaten des libyschen Regimes berichtet Bundespräsidentin Calmy-Rey in unserem Libyen-Schwerpunkt. Die endlich verhängte Flugverbotszone und Schützenhilfe der Alliierten sind nötig. Ghadhafi war schon daran, die Kontrolle über das ganze Land zurückzugewinnen und brutal Rache an seinen Kritikern zu nehmen. Das wäre auch eine Schande für den Westen gewesen. In letzter Minute konnte ein trauriges Ende des hoffnungsvollen Aufstandes in der arabischen Welt noch verhindert werden.

Umbruch in der Energiedebatte

21. März 2011

74 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind gegen den Bau von zwei neuen Atomkraftwerken. 87 Prozent wünschen sich mittelfristig gar einen Totalausstieg aus der Atomenergie. Das zeigt die Umfrage der «SonntagsZeitung». Das klare Resultat zeigt: Die Tragödie in Japan führt zu einem Umbruch in der Energiedebatte. Nicht nur im Volk, selbst bei Befürwortern der Atomenergie aus CVP und FDP machen sich immer mehr Zweifel breit, ob Abstimmungen über Atomvorlagen wie jene um das AKW Mühleberg heute noch zu gewinnen sind. Auch wenn die Schweiz anders als Deutschland, wo gestern das letzte von sieben älteren AKW vom Netz genommen wurde, eine langsamere Gangart einschlägt, muss die Schweiz die Weichen für ihre energiepolitische Zukunft rasch stellen. Gaskraftwerke sind keine überzeugende Alternative. Doch woher soll unser Strom kommen? Und wie sieht die Zukunft der Energieversorgung aus? Unabhängig davon, welches Szenario gewählt wird, etwas ist sicher: Unser Strom wird deutlich teurer.

Die Diskussion über die Sicherheit von Atomkraftwerken muss neu geführt werden

14. März 2011

Es sind Bilder, die wir nie mehr vergessen: wie das schwere Beben in Japan Gebäude wie Kartenhäuser zusammenbrechen lässt und die verheerende Flutwelle Dörfer, Strassen, Züge und Autos hinwegfegt. Auch wenn bei uns das Erdbebenrisiko massiv geringer ist, sollten wir uns nicht damit begnügen, nur schockiert die Bilder der Zerstörung zu verfolgen. Nachdem es  in der Atomanlage Fukushima zu einer Explosion kam und eine Kernschmelze droht, stellen sich heute viele zu Recht die Frage: Wie sicher sind eigentlich die Atomkraftwerke in der Schweiz? Klar ist: Die Ausweitung der Katastrophe in Japan könnte in der Debatte um den Bau neuer Atomkraftwerke eine Wende bewirken. Die japanischen AKW galten weltweit als die Sichersten und auch hierzulande als Referenz. Durch sicheres Bauen könnten Kernkraftwerke sehr starke Beben ohne wesentliche Schäden überstehen, argumentieren die Schweizer Stromproduzenten auf ihrer Website (www.kernenergie.ch). Das würden Erfahrungen aus Japan belegen. Dass nun ausgerechnet in Japan eine Kernschmelze droht, zeigt: Die Diskussion über die Sicherheit von Atomkraftwerken muss neu geführt werden.

Und noch eine Frage sollten wir uns stellen: Wie sicher sind bei uns die Gebäude gebaut? Die Antwort ist erschreckend: Die grosse Mehrheit der Liegenschaften sind keineswegs erdbebensicher. Selbst bei geringem Erdbebenrisiko in der Schweiz wird angesichts der Verwüstung in Japan offensichtlich: Erdbebenprävention und -versicherung müssen auch hierzulande verstärkt werden.

Deals mit zwielichtigen Partnern machen sich nie bezahlt

7. März 2011

Darf der Westen einfach zuschauen, wie der libysche Diktator Muammar al-Ghadhafi sein eigenes Volk abschlachtet? Klar ist, dass eine Intervention mit US-Beteiligung kontraproduktiv wäre und Ghadhafi helfen würde: Er könnte sich als Märtyrer feiern lassen. Klar ist auch, dass eine von der UNO gebilligte Intervention nicht zu erreichen ist, da China dafür kaum Hand bietet. Wirksam wäre aber eine unter der Federführung der Arabischen Liga stehende Flugverbotszone, welche die barbarischen Angriffe auf Aufständische aus der Luft verhindert. Die Schweiz kann mit einer konsequenten Blockade der Geldströme dazu beitragen, dass dem Regime wenigstens finanziell der Hahn zugedreht wird. Ebenso wichtig ist eine humanitäre Unterstützung der Zivilbevölkerung, zumal wir uns auf eine lange bewaffnete Auseinandersetzung im Krisenland einstellen müssen, wie IKRK-Präsident Jakob Kellenberger sagt.

Sparen sollten wir uns Heuchelei: Es ist nicht lange her, da wurde Ghadhafi von etlichen westlichen Staaten – darunter auch der Schweiz – hofiert, weil viele gutes Geld mit ihm verdienten. Seitens der Schweiz war die Verhaftung von Hannibal Ghadhafi in Genf nur ein diplomatischer Betriebsunfall. Wäre es dazu nicht gekommen, wäre Ghadhafi und seine Entourage noch lange – wie viele Jahre zuvor – ein willkommener Gast in unserem Land gewesen, obwohl damals schon viel Blut an seinen Händen klebte. In dieses Bild passt, dass der Bundesrat noch im Sommer in geheimer Mission 1,5 Millionen Franken an den rabiaten Ghadhafi-Sohn überwies – faktisch ein Lösegeld für Schweizer Geiseln. Die Entwicklung in Libyen sollte Anlass sein, unsere Beziehungen zu Diktatoren, von denen es noch viele gibt, zu hinterfragen. Dafür sprechen moralische Gründe, aber auch die Erkenntnis, dass sich Deals mit zwielichtigen Partnern politisch und wirtschaftlich auf Dauer nie bezahlt machen.