Monatsarchiv für Mai 2010

Schweiz wittert dank Euro-Chaos Morgenluft

26. Mai 2010

Liebe Schweizer, dürfen wir zurückkommen?», fragt die Berliner Tageszeitung «Die Welt», kaum haben sich die Wogen der heftigen Schwarzgeldfehde zwischen der Schweiz und Deutschland etwas geglättet. Doch anders als früher kommen Vermögende aus Deutschand nicht zu uns, weil sie ihr Erspartes am Fiskus vorbeischmuggeln möchten, sondern vielmehr, weil sie Angst haben vor der Geldentwertung. Ausgerechnet jetzt, wo der Franken zum Euro immer teurer wird, verzeichnen Schweizer Banken Zuflüsse aus EU-Ländern. Viele haben angesichts des Schuldendramas in den Euro-Staaten und der kaum nachhaltig wirkenden Milliardenhilfen für notorische Schuldensünder das Vertrauen in ihren Staat verloren und befürchten gar eine Verschlimmerung der Krise.

Geradezu merkwürdig mutet vor diesem Hintergrund die politische Debatte in der Schweiz über eine weitere Auflockerung des Bankgeheimnisses auch im Inland an. Mit der Übernahme der OECD- Standards hat die Schweiz ihre Pflicht erfüllt. Ohnehin verlieren Schwarzgelder für hiesige Banken immer mehr an Bedeutung. Weitergehende Massnahmen sind somit weder im Inland noch gegenüber dem Ausland angebracht.

Für den Schweizer Finanzplatz ist der Zufluss von deklarierten Geldern aus EU-Ländern indes ein wichtiges Signal: Es bedeutet, dass unsere Banken gerade dank des Euro-Chaos im Vermögensverwaltungsgeschäft grosse Wachstumschancen haben, wenn sie – und ebenso die Politik – bewusst auf jene Tugenden setzen, die unseren Finanzplatz einst erfolgreich gemacht hatten: Verlässlichkeit, Rechtssicherheit und Stabilität.

Euro-Politiker sind die grössten Spekulanten

19. Mai 2010

Finanzmärkte müssten gebändigt und Spekulanten, die auf sinkende Währungen setzen, an die kurze Leine genommen werden, ist oft zu hören. Dabei wird ausgeblendet, dass Trader nur Trittbrettfahrer, nicht aber die Wurzel des Problems sind. Die grössten Spekulanten sind derzeit nicht in den Finanzfirmen zu finden, sondern in Regierungspalästen: Es sind Staatschefs von EU-Staaten, die dramatisch hohe Schuldenberge aufgetürmt und damit den Euro massiv geschwächt haben. Als sei dies nicht genug, machen sie das, was für jeden Kleinanleger eine Todsünde ist: Sie werfen dem schlechten noch gutes Geld nach und nehmen bewusst eine steigende Inflation in Kauf.

Die Flucht der Anleger aus dem Euro in den Franken belegt, dass immer mehr Bürger der Euro-Länder Sicherheit suchen, weil sie merken, dass eine Wende im Schuldendrama nicht mittels neuer Kredite erreicht wird. Nötig ist eine strikte Schuldenbremse, also das Gegenteil dessen, was die Euro-Politiker tun, und eine Umschuldung der Krisenländer. Statt den Kern des Problems anzugehen, spekulieren die Staaten darauf, dass sich die Lage – vielleicht – dank der Steuermilliarden beruhigt. Da ist es nur folgerichtig, dass Politiker von EU-Ländern das Nichtmitglied Schweiz für die Euro-Hilfen zur Kasse bitten sowie eine Steuer auf Finanztransaktionen einführen wollen. Dabei ist klar, dass eine solche Steuer weder gerecht ist noch Kursschwankungen verhindert. Ganz sicher aber hemmt sie Investitionen, verteuert die Finanzierung von Firmen und Staaten und bremst das Wirtschaftswachstum. Zu solchen Dummheiten darf die Schweiz nie Hand bieten.

Wie die Euro- Antidepressiva die Inflation anheizen

12. Mai 2010

Mit dem gigantischen Rettungspaket kaufen sich die EU und der Währungsfonds etwas Zeit und holen temporär Vertrauen in die Einheitswährung zurück. Gleichzeitig setzen sie die Gesetze der Marktwirtschaft ausser Kraft. Ein Konkurs Griechenlands wird verhindert, obschon das Land ebenso wie andere notleidende Euro-Staaten kaum mehr in der Lage ist, seine Schulden zurückzuzahlen. Jene, die auf zu grossem Fuss gelebt haben, werden mit Kreditgarantien belohnt, die jene zahlen, die ihren Finanzhaushalt in Ordnung halten.

Die Milliardenhilfen wirken wie Antidepressiva: Kurzfristig kommt es zu einem Begeisterungszustand, doch sobald die Wirkung nachlässt, folgt die Ernüchterung. Das Risiko von Abschreibern auf maroden Staatsanleihen ist gesunken. Der Euro hat sich zum Franken und zum Dollar zeitweise leicht erholt. Doch gelöst sind die Schuldenprobleme überhaupt nicht. Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien kommen nicht darum herum, den Gürtel enger zu schnallen, ihre Ausgaben zu reduzieren und die Schulden zurückzuzahlen. Weil dies aber politisch schwer durchsetzbar ist, muss man sich auf neue Börsenabstürze einstellen.

Mit dem Hilfspaket wurde die Gewaltenteilung zwischen Geld- und Finanzpolitik verletzt. Der stark politisch motivierte Aufkauf von Staatsanleihen untergräbt die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Zentralbanken und heizt die Inflation an. Wenn Politiker Milliarden bereitstellen, sollte man nie vergessen: Am Schluss zahlen immer die Gleichen die Rechnung – die Steuerzahler und die Sparer, die letztlich immer weniger für ihr Geld erhalten.

Die Risiken für UBS und CS nehmen wieder zu

5. Mai 2010

Erstmals seit der Finanzkrise hat die UBS wieder mehr verdient als ihre Konkurrentin Credit Suisse. Dennoch schneidet die CS bei den meisten Kennzahlen besser ab – vor allem bei den Kundengeldern. Während bei der UBS im 1. Quartal noch 18 Mrd Fr. an Vermögen abflossen, hatte die CS mit einem starken Neugeldzufluss von 26 Mrd Fr. überrascht. Immerhin dürften die neusten Zahlen aber das Kundenvertrauen in die UBS deutlich stärken. Die grössten Fortschritte haben beide Institute im Investment Banking gemacht, wo insbesondere die UBS nach ihrem Milliarden-Schlamassel erstaunlich rasch Tritt gefasst hat. Doch auch hier steht die CS noch besser da und hat sogar weitere Marktanteile gewonnen.

So sehr man sich über diese Erfolge im Investment Banking freut, so stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Gewinne in dieser Sparte tatsächlich sind. Obwohl CS und UBS nur wenig direkt in Griechenland-Anleihen exponiert sind, würde eine Eskalation der Schuldenkrise deren Gewinnaussichten massiv beeinträchtigen. Trotz Milliardenhilfe ist Griechenland jedenfalls noch nicht nachhaltig gerettet. Und Spanien und Portugal könnten ebenfalls bald EU-Hilfe nötig haben.

Auch im Vermögensverwaltungsgeschäft wird das Markt-umfeld aus regulatorischen Gründen rauer. Noch ist die UBS zu wenig stabil, um eine zweite Finanzkrise, die angesichts der Schuldenberge in Europa wahrscheinlich ist, ohne Hilfe zu überleben. Die Risiken für die UBS, die CS und die Schweiz als Ganzes nehmen wieder zu. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Bundesrat und Parlament rasch tragfähige Lösungen für die «Too big to fail»-Problematik umsetzen.