Monatsarchiv für Februar 2010

Schweiz muss den Befreiungsschlag wagen

24. Februar 2010

Noch immer wollen viele Banker in der Schweiz die Realitäten nicht erkennen: Neuerdings träumen sie von einer Steueramnestie in Deutschland, die sie von allen Sorgen befreit. Natürlich wäre das für die Schweiz die eleganteste Lösung, um den Steuerstreit beizulegen. Sie würde vielen Deutschen eine Rückkehr in die Legalität ermöglichen und zweifellos stärker genutzt als bei der letzten Amnestie im Jahr 2004. Doch anders als in Italien, Grossbritannien und Frankreich ist in Deutschland eine Steueramnestie angesichts der wachsenden sozialen Gegensätze derzeit innenpolitisch kaum durchsetzbar.

Der Traum von der Steueramnestie wird nicht Realität – ebenso wenig wie die Idee der Abgeltungssteuer, mit der viele Banker noch immer hausieren. Selbst wenn eine solche mit einzelnen Staaten zu erreichen wäre, brächte sie nur eine Lösung auf Zeit. Die Forderung nach dem automatischen Informationsaustausch wäre nicht vom Tisch. Solange unsere Banken noch ein Hort für Schwarzgelder sind, bleibt die Schweiz einfach angreifbar. Stattdessen sollte die Schweiz den Befreiungsschlag wagen, wie sie es früher schon mit dem Geldwäschereiartikel gemacht hat, und konsequent auf eine Weissgeldstrategie setzen. Wer sein Geld nicht deklariert, hat auf dem hiesigen Finanzplatz nach einer Übergangsfrist nichts mehr zu suchen. Als Preis dafür kann die Schweiz von der EU den Verzicht auf den automatischen Informationsaustausch sowie den freien Marktzugang für Finanzdienstleister verlangen. Der Schutz der Privatsphäre und das Bankgeheimnis, das im Volk nach wie vor hohe Sympathien geniesst, wären gewährleistet.

«Abzocker»-Streit: Wirtschaft sollte jetzt einlenken

17. Februar 2010

Die Olympia-Medaillen sind Balsam für die geschundene Schweizer Seele. Sie geben der Nation das zurück, was durch Angriffe aus dem Ausland in der Steueraffäre und durch die hilflose und duckmäuserische Politik des Bundesrates Schaden genommen hat: Selbstvertrauen. Was einige wenige in Politik und Wirtschaft geschwächt haben, bauen die Sportler mit ihren Glanzleistungen wieder auf. Ihre Begeisterung wirkt ansteckend und bietet die Chance, Gräben zu überbrücken.

Sportliche Spitzenleistungen allerdings können nur psychologische Wirkung erzielen. Mit konkreten Taten gilt es, den Graben zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, der aufgrund von Fehlleistungen einiger weniger immer tiefer wird, zuzuschütten. Eine Gelegenheit bietet das Gefeilsche um die «Abzocker»-Initiative und die möglichen Gegenvorschläge.

Wenn die Wirtschaft nicht in Kauf nehmen will, dass das Vertrauen in sie bei einer breiten Bevölkerungsschicht noch mehr abnimmt, muss sie jetzt zusammen mit der FDP rasch Hand zu einem tragfähigen Kompromiss bieten. Konkret gilt es, den Widerstand gegen eine Abstimmung an der GV über die Gesamtsumme der Bezüge von Geschäftsleitung und VR sowie die jährliche Wiederwahl von Verwaltungsräten aufzugeben. Natürlich wird dadurch der Handlungsspielraum der Firmen eingeschränkt. Dies ist aber weniger problematisch, als wenn die «Abzocker»-Initiative nicht zurückgezogen wird und es zu einem aufreibenden Abstimmungskampf kommt. Angesichts schwer nachvollziehbarer Boni würde es in dieser Schlacht auf Seiten der Wirtschaft nur Verlierer geben.

Die CS ist die Gewinnerin der Krise – Risiken dürfen aber nicht unterschätzt werden

11. Februar 2010

 

Es ist die Woche der Bankabschlüsse: Nach der UBS am Dienstag hat heute auch die Credit Suisse über ihren Geschäftsgang informiert. Anders als die UBS hat die CS sowohl im gesamten 2009 als auch im 4. Quartal ausgezeichnete Gewinne verbucht. Die CS hat gar das drittbeste Resultat in ihrer Firmengeschichte erreicht. Dennoch hinterlassen die Zahlen nicht nur Begeisterung: Der Konzerngewinn von 6,7 Mrd Fr., den die CS für 2009 ausweist, liegt unter den Erwartungen. Am Markt hat man mit 7,2 Mrd Fr. gerechnet. Immerhin: Die CS macht wieder Gewinn wie in guten alten Zeiten noch vor der Finanzkrise. Den Verlust, den auch die CS noch im 2008 eingefahren hatte, erwies sich im Nachhinein als ein einmaliger Ausrutscher.

Weniger schön sieht das 4. Quartal aus. Da liegt der Gewinn ebenfalls unter den Erwartungen und fällt auch tiefer aus als im 3. Quartal. Verantwortlich dafür sind Kosten von rund 450 Mio Fr., welche die CS für einen Vergleich wegen Dollartransaktionen mit sogenannten Schurkenstaaten wie Iran in den USA zahlen musste. Neben den Gewinnzahlen ist am meisten von Interesse der Nettogeld-Zufluss: Da sind der CS im letzten Jahr rund 44 Mrd Fr. zugeflossen, obwohl die Grossbank wegen der Steueramnestie in Italien Abflüsse verbuchen musste. Der Nettoneugeldzufluss zeigt, dass die CS Marktanteile gewinnt und nicht nachhaltig unter der Finanzkrise gelitten hat. Im Gegenteil: Sie konnte das Vertrauen bei den Kunden sogar stärken.

Interessant ist der direkte Vergleich zwischen CS und UBS: Da schneidet die CS praktisch bei allen Kennzahlen derzeit besser ab. Beim Jahresgewinn 2009 ohnehin: Da hat die UBS ja 2,7 Mrd Fr. in den Sand gesetzt. Die CS hingegen 6,7 Mrd Fr. verdient. Den wichtigsten Unterschied sieht man im wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft: Da hat die UBS im letzten Jahr 147 Mrd Fr. Kundengelder verloren, die CS hingegen 44 Mrd. Fr. dazugewonnen. Ebenso im 4. Quartal, wo die UBS 56 Mrd Fr. an Kundengeldern abgeben musste, die CS im gleichen Zeitraum aber 12 Mrd Fr. dazugeholt hat. Genau diese verwalteten Vermögen sind Basis für die Gewinne der Zukunft.

Werfen wir noch einen Blick auf die Kapitalbasis der beiden Grossbanken: Auch da schneidet die CS besser ab: Sie weist eine Kernkapitalquote von 16,3% aus. Bei der UBS sind es nur 15,4%. Und noch etwas: Die CS zahlt eine Dividende von 2 Fr., die UBS muss dagegen erneut auf eine Dividende verzichten.

Die CS brilliert also im Vergleich zur UBS. Deshalbb hat ja die CS und die UBS bei der Börsenkapitalisierung als grösste Bank von der Schweiz abgelöst. Trotzdem gibt es auch bei der CS ein paar gravierende Risiken: Erstens stellt sich die Frage, wie nachhaltig der Rekordgewinn im Investment Banking bei der CS wirklich ist. Zweitens ist unklar, ob und wie tief die CS in die deutsche Steueraffäre verwickelt ist. Falls tatsächlich Kundendaten der CS bei den deutschen Steuerfahndern gelandet sind, würde das der CS sicher schaden. Und drittens wird auch die CS – ebenso wie die UBS – unter der geplanten strengeren Regulierung der US-Regierung leiden. Trotz guten Zahlen kann also auch die CS-Führung nicht ganz sorglos in die Zukunft schauen. Aber sie hat ganz sicher einige gravierende Probleme weniger als die Konkurrentin UBS und ist somit klar eine Gewinnerin der Krise.

Bundesrat auf dem Weg zum gläsernen Bürger

10. Februar 2010

Siegessicher prognostiziert der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble das Ende des Bankgeheimnisses, während sein Vorgänger Hans Eichel Schweizer Banker locker als Kriminelle betitelt. Statt sich mutig zu wehren, streckt Finanzminister Merz und mit ihm der Rest des Bundesrates gleich die Waffen und denkt laut über das nach, was die EU von uns fordert: Den automatischen Informationsaustausch.

Doch wer bereit ist, den automatischen Informationsaustausch zu akzeptieren, etwa um unseren Finanzdienstleistern den freien Marktzugang in der EU zu verschaffen, zahlt einen zu hohen Preis. Ausländische Kunden würden nach Singapur abwandern, und mit dem Finanzplatz würde eine wichtige Basis unseres Wohlstandes geschwächt. Tausende von Jobs gingen im Inland verloren.

Noch schwerer wiegen die ideellen Folgen: Wer Hand zum automatischen Informationsaustausch bietet, begibt sich auf den Weg zum gläsernen Bürger, wo der Staat bald fast alles über jeden weiss. Während bei uns der Staat davon ausgeht, dass seine Bürger ehrlich sind, ist im Verständnis der EU jeder ein potenzieller Steuersünder. Darum haben die meisten EU-Staaten die Privatsphäre in Finanzbelangen aufgehoben. Die Schweiz würde sich von ihrem freiheitlichen Staatsverständnis, das ihren Bürgern hohe Autonomie garantiert und viel Verantwortung überträgt, zunehmend verabschieden. Stattdessen würde sie sich einem Modell annähern, das wie in Deutschland die Freiheiten der Einzelnen über hohe Steuern und unzählige Paragraphen immer mehr einschränkt. Für die Schweiz ist dies kein erstrebenswerter Weg.

Die UBS verliert weiter Kunden: Vermögensabfluss ist besorgniserregend

9. Februar 2010

Die heutigen Zahlen zeigen: Die Lage für die UBS verbessert sich zwar, aber leider eben nur sehr langsam. Der heute vorgelegte Verlust von 2,7 Mrd Fr. für 2009 ist weniger schlimm als erwartet. Erwartet wurden im Vorfeld 3 bis 4 Mrd Fr. Verlust. Im 4. Quartal verzeichnet die UBS einen Gewinn von 1,2 Mrd Fr. Erwartet wurden nur 300 bis 400 Mio Fr. Gewinn. Damit hat die UBS operativ die Wende geschafft. Zum Vergleich: Im gesamten 2008 hat die Grossbank noch einen Verlust von über 21 Mrd Fr. geschrieben. So gesehen bedeutet das heutige Resultat eine klare Verbesserung, zeigt aber trotzdem wie schwierig es für die UBS ist, sich aus dieser Krise herauszukämpfen. Brutal sichtbar wird das bei den verwalteten Vermögen: Da sind der UBS im letzten Jahr weitere 147 Mrd Fr. von entnervten Kunden abgeflossen – nachdem im 2009 netto über 220 Mrd Fr. aus der Bank abgeflossen sind. Das ist zwar auf den ernsten Blick besser – für eine Bank, aber immer noch eine Katastrophe. Das heisst nämlich nichts anderes, als dass es Oswald Grübel und Ex-Bundesrat Kaspar Villiger, welche die Grossbank seit knapp einem Jahr als CEO und VR-Präsident leiten, noch nicht gelungen ist, das Vertrauen der Kunden zurückzuholen. Sogar im 4. Quartal sind weitere 56 Mrd Fr. weggeflossen. Das ist eine grosse Enttäuschung, zumal der UBS damit im 4. Quartal noch mehr Kunden davon gelaufen sind als im 3. Quartal, als 37 Mrd. Fr. Vermögen abflossen. Beim Nettoneugeldzufluss, der wohl wichtigsten Kennzahl für einen Vermögensverwalter, hat die UBS noch grosse Probleme. Das ist besorgniserregend, da die verwalteten Vermögen die Basis für die künftigen Gewinne sind. Wenn diese weiter abnehmen, ist dies für die Gewinnentwicklung ein negatives Signal.
Gesamthaft präsentieren sich die Aussichten für die UBS in diesem Jahr dennoch besser. Die Grossbank hat die Kosten deutlich gesenkt – der Personalbestand reduzierte sich beispielsweise um 16% – und die Kapitalbasis gestärkt. Trotzdem sind die Aussichten keineswegs rosig. Erstens schwebt die Unsicherheit rund um den US-Steuervergleich immer noch wie ein Damokles-Schwert über der Bank. Falls der Vergleich zwischen der Schweiz und den USA im UBS-Steuerstreit doch noch platzt, droht der Bank ein gefährlicher Prozess in den USA. Das schreckt natürlich weitere Kunden und Aktionäre ab. Aber auch der Steuerstreit mit Deutschland, der Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis und die Tatsache, dass die Regierungen auf der ganzen Welt die Grossbanken enger an die Kandare nehmen wollen, wird auch die UBS in diesem Jahr belasten. Man darf zwar davon ausgehen, dass die UBS 2010 wieder schwarze Zahlen schreibt. Doch von den jährlich 15 Mrd Fr. Gewinn, den die UBS in drei bis fünf Jahren laut CEO Oswald Grübel wieder schreiben will, ist man auch in diesem Jahr noch weit entfernt.
Alles in allem kann man sagen: Der UBS geht es besser. Sie hat operativ die Wende geschafft. Trotzdem bläst der Grossbank nach wie vor ein rauer Wind entgegen, der dafür sorgt, dass die Erholung nur langsam erfolgt. Die grösste Herausforderung wird dabei sein das Kundenvertrauen nachhaltig zu stärken. Dies ist den Hoffnungsträgern Oswald Grübel und Kaspar Villiger an der UBS-Spitze auch knapp ein Jahr seit ihrem Amtsantritt noch nicht gelungen.

Die Zürich überrascht positiv

4. Februar 2010

Thema des Tages in der Wirtschaft war heute der Versicherungskonzern Zürich, der den Gewinn im letzten Jahr um 6% auf 3,2 Milliarden Dollar gesteigert hat. Die Zahlen sind überzeugend. Beim Reingewinn liegt die Zürich sogar leicht über den Erwartungen. Verbessert hat sich auch die Combined Ratio, also die wichtige Schaden-Kosten-Quote. Je kleiner diese ist, umso profitabler arbeitet das Unternehmen. Darum ist es positiv, dass die Kennzahl auf 96,8% gesunken ist.

 Heute hatte auch der neue Konzernchef Martin Senn seinen ersten grossen Auftritt in der Öffentlichkeit. Die Erwartungen an den neuen Zuerich-Chef sind hoch. Er tritt in die Fussstapfen seines Vorgängers James Schiro, welcher die Zürich nach dem Debakel im Jahr 2001 aus dem Chaos zurück zum Erfolg führte. Von Martin Senn erwarte ich allerdings nicht eine grosse Kehrtwende. Viel eher wird er die Strategie seines Vorgängers fortsetzen. Konkret heisst das, dass man nicht um jeden Preis wachsen, sondern möglichst profitabel sein will. Damit ist Zürich auch in der Krise gut gefahren. Enttäuschend ist aber die nach wie vor  tiefe Börsenbewertung. Die Zürich leidet darunter, dass sie in den gleichen Topf geworfen wird wie viele Banken und Versicherungen, welche in der Krise grosse Probleme hatten.

Eine positive Überraschung ist immerhin, dass die Zürich ihre Dividende erhöhen will. Diese soll um 45 % auf Fr. 16.- gesteigert werden. Zugelegt hat die Zürich auch beim Eigenkapital, welches um 34% auf rund 30 Milliarden Dollar gestiegen ist. Das zeigt, das Zürich eine solide Kapitalbasis hat und nach wie vor sicher durch die Finanzkrise gesteuert wird. Dass das gelungen ist, ist massgeblich das Verdienst des ehemaligen Chief Investment Officers und neuen CEO Martin Senn und dürfte mit dazu beigetragen haben, dass er es bis an die Spitze der Zürich geschafft hat.

Ein cleverer Schachzug der Zürich ist, dass sie Joe Ackermann, den Chef von der Deutschen Bank in de Verwaltungsrat geholt haben. Der erfahrene Banker ist eine gute Ergänzung zum vergleichsweise deutlich jüngeren neuen CEO Martin Senn. Die Ernennung schafft bei den Anlegern zusätzliches Vertrauen, immerhin hat Joe Ackermann auch in der Krise bei der Deutschen Bank einen guten Job gemacht. Er könnte später – nach einem Rücktritt bei der Deutschen Bank – auch das VR-Präsidium beim Schweizer Versicherer übernehmen, was bei den Zürich-Aktien durchaus Fantasien weckt. Die Zürich hat jedenfalls erreicht, was der UBS nicht gelungen ist, nämlich Joe Ackermann an Bord zu holen.

Wer immer nur kuscht, wird in der Aussenpolitik nicht mehr ernst genommen

4. Februar 2010

Der Bundesrat will die Verhandlungen über das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland also trotz der Affäre um die gestohlenen Bankkunden-Daten weiterführen. Ich verstehe nicht, dass man den Trumpf, den man in der Hand hätte, nicht spielt und die Verhandlungen um das neue Doppelbesteuerungsabkommen nicht wenigstens einmal sistiert. Für mich ist die duckmäuserische Politik des Bundesrates gegenüber dem mächtigen Deutschland nicht nachvollziehbar. Offenbar haben unsere Bundesräte Angst, dass sie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verärgern könnten. Dabei geht die Deutsche Regierung voll auf Konfrontationskurs, indem sie die geklauten Bankdaten aus der Schweiz kaufen möchte. Im Falle Frankreichs hat man wenigstens die Umsetzung des neuen Doppelbesteuerungsabkommens sistiert, was prompt dazu führte, dass die Franzosen die gestohlenen Daten der Schweiz auslieferten, was allerdings nicht bedeutet, dass sie das Datenmaterial nicht nutzen. Gegenüber Deutschland hat der Bundesrat aber den Mut verloren, weil Deutschland unser wichtigster Handelspartner ist. Als typisch schweizerischer Kompromiss hat der Bundesrat aber beschlossen, keine Amtshilfe im Zusammenhang mit den gestohlenen Bankdaten zu leisten. Schon jetzt ist klar, dass auch andere EU-Staaten bei Deutschland Interesse an diesen brisanten Kundeninformationen angemeldet haben. Zum Beispiel Oesterreich, Belgien und Holland. Der Bundesrat hingegen sagte naiv, man müsse das Problem in weiteren Gesprächen mit Deutschland lösen. Zu lösen gibt es nach meiner Meinung allerdings nicht viel: Die Schweiz wird der grosse Verlierer sein und hängt immer mehr am Gängelband der Regierung in Berlin. Kein Wunder: Der Bundesrat hat schon immer brav gekuscht, so wird er von Deutschland als Verhandlungspartner auch nicht wirklich ernst genommen.

Verhandlungen mit Deutschland abbrechen

3. Februar 2010

Man mag das Gesäusel von der engen Freundschaft zwischen Deutschland und der Schweiz, die so vieles aushalte, nicht mehr hören. Tatsache ist, dass Deutschland trotz der Kooperation der Schweiz im Kampf gegen Steuerbetrug auf direkten Konfrontationskurs geht. Keineswegs mildernd wirkt, dass Angela Merkel nicht zuletzt aus innenpolitischen Gründen Hand zum Erwerb gestohlener Bankdaten aus der Schweiz bietet. Die Bundeskanzlerin kann es sich nicht leisten, den populären Datenkauf abzulehnen. Das wäre, wie wenn sich hierzulande ein Politiker für die UBS-Boni einsetzen würde – nämlich politischer Selbstmord.

Natürlich ist es nicht die Aufgabe der Schweiz, Steuerhinterzieher zu verteidigen. Zu kämpfen gilt es vielmehr für einen fairen Umgang unter demokratischen Staaten. Die neuste Steueraffäre offenbart, wie wenig verlässlich die Beziehung zum wichtigsten Handelspartner in der Praxis ist und wie rücksichtslos die grossen EU-Staaten mit ihren kleinen Partnerländern umgehen.

Der Datenkauf ist ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat Deutschland. Damit macht sich das Land der Hehlerei schuldig, ebenso wie wenn jemand von einem Einbrecher gestohlenen Schmuck erwirbt. Unter diesen Voraussetzungen muss der Bundesrat die Verhandlungen über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland abbrechen. Dafür spricht mehr als nur verletzter Stolz, sondern vor allem die Überzeugung, dass in einem Rechtsstaat der Zweck unlautere Mittel nie heiligen darf, weil es sonst nur eine Frage der Zeit ist, bis auch die Freiheit geopfert wird.