Monatsarchiv für Januar 2010

Wirtschaft muss endlich Taten folgen lassen

27. Januar 2010

Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten und erneuern», lautet schöngeistig das Motto des 40. Jahrestreffens des WEF in Davos. Wenn es allerdings um konkrete Massnahmen geht, wie die Wirtschaft ihre Rahmenbedingungen – etwa bei Managerbezügen – neu ausrichten soll, hält sich die Veränderungsbereitschaft vieler Chefs in engen Grenzen. Offensichtlich wird diese Haltung auch bei der Debatte um höhere Eigenmittelvorschriften, die von den Banken bekämpft werden, obwohl zu grosse Institute bei einem Zusammenbruch ganze Volkswirtschaften gefährden.

Was viele Firmenchefs und Unternehmen noch nicht gemerkt haben: So wie das Internet die Medienwelt grundlegend verändert, zwingen der gesellschaftliche Wandel und der starke politische Druck von der Basis die Wirtschaft rasch zu einschneidenden Veränderungen. Firmen sind mit einer neuen Generation von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären konfrontiert, die anspruchsvoller und intelligenter sind und nicht zögern, zum Konkurrenten zu wechseln, wenn sich Konzerne unfair verhalten oder wie die UBS sogar gegen Gesetze verstossen.

Unternehmen, die ihre Kunden nicht nur als Zweck für die Gewinnmaximierung verstehen und ethisch handeln, sind geringeren Risiken ausgesetzt und gewinnen Marktanteile. Integrität und Vertrauen setzen aber voraus, dass sich Firmen von sich aus neu ausrichten und nicht weil es Gesetze vorschreiben. Damit sich die Wirtschaft wirklich verändert, dafür braucht es allerdings nicht nur neue Compliance- und Ethik-Regeln, sondern in vielen Fällen vor allem etwas: Neue Chefs.

UBS & Co. sind treuste Gehilfen der Linken

20. Januar 2010

Gerade noch hing sie am Geldtropf des Staates und schon führt sie sich wieder auf, als sei nichts gewesen: Dass die UBS trotz roter Zahlen erneut Boni in Milliardenhöhe auszahlen will, stösst selbst in der Wirtschaft auf viel Unverständnis. Neue Ethikregeln, wie sie die gleiche Bank eben noch veröffentlicht hat, wirken da wie ein Feigenblatt für die Chefs. Wo eigentlich ist VR-Präsident Kaspar Villiger, der uns bei der UBS einen Kulturwandel versprach? Der erhoffte Wertewandel hat nicht wirklich stattgefunden – weder bei der UBS noch bei den meisten anderen Banken. Denn mit den geplanten Milliardenboni ist die UBS in bester Gesellschaft. Zwar haben einige Institute wie die CS ihre Gehaltssysteme auf eine langfristigere Basis gestellt. Das hat aber nichts daran geändert, dass im Finanzsektor schon wieder Löhne und Boni bezahlt werden wie in den besten Zeiten und die Gehälter von der Realität der übrigen Wirtschaft abgekoppelt sind. Aus all den Fehlern der Finanzkrise wurde nichts gelernt. Statt einen echten Kultur- und Wertewandel zu vollziehen, versuchen die Banken, mit viel Lobbyarbeit im Bundeshaus eine Abstimmung über die «Abzocker-Initiative» hinauszuschieben und eine Verschärfung der Gesetze zu verhindern. Dies wird nicht mehr gelingen. Angesichts des Volkszorns kommen selbst gemässigte bürgerliche Politiker nicht darum herum, die Gesetze zu verschärfen. Ausgerechnet UBS & Co., die vehement gegen mehr Regulierung kämpfen, sind wegen ihrer Taten die treusten Gehilfen jener Kräfte, die mehr Gesetze und Macht des Staates fordern. Gier macht eben nicht nur blind, sondern auch ganz schön dumm.

Da fühlt man sich an die gute alte Swissair erinnert: Die JAL meldet Insolvenz an

19. Januar 2010

Sie war das stolze Aushängeschild des japanischen Wirtschaftserfolgs: Die Japan Airlines. Für die JAL zu arbeiten, hat in Japan wie bei uns damals bei der Swissair als Traumjob gegolten. Doch jetzt ist fertig lustig. Wie damals die Swissair hat heute die Japan Airlines Insolvenz angemeldet. Den Todesstoss gab der JAL letztlich ihr gewaltiger Schuldenberg. Doch die Probleme gehen bei der grössten Airline Asiens viel tiefer und erinnern schwer an die Swissair. Japan Airlines hatte ebenfalls falsche Manager, die das Airline-Business nicht wirklich verstanden haben. Anstatt die Airline zu führen, stritten sich die Chefs um die Macht und bauten teure, nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereiche auf. Zu hohe Löhne und Pensionskassenversprechen, eine Fehlstrategie, bürokratische Strukturen und Sicherheitsprobleme haben JAL immer tiefer ins Desaster sinken lassen. Als dann die Finanzkrise noch dazu kam und die Kunden weniger flogen, war der Zusammenbruch nur noch eine Frage der Zeit. Der einstige Staatsbetrieb wurde 1987 privatisiert, konnte aber all die Jahre nur dank Staatshilfe überleben. Zuletzt konnte die JAL nur dank Notkrediten in der Luft bleiben. Heute Morgen aber zog die japanische Regierung einen Schlussstrich und hat das gemacht, was in Japan fast unvorstellbar war: Dass ein grosses Unternehmen wie die JAL pleite geht. Jetzt will Japan seine Airline ähnlich wie in Amerika der Autobauer General Motors auffangen und radikal umbauen. Wie das funktioniert , könnten die Japaner bei der Swiss lernen. Mit neuen 3 Mrd Fr . vom Staat soll die Nachfolgegesellschaft jetzt wieder aufgepäppelt werden. Trotzdem ist heute im Land der aufgehenden Sonne wie damals bei uns in der Schweiz mit der Swissair ein Symbol für den Stolz der ganzen Nation untergegangen

Weshalb Bundesrat Merz abtreten sollte?

13. Januar 2010

Wie viel Recht darf man als Bundesrat eigentlich brechen? Bundesrat Merz hat gleich zweimal einen Rechtsbruch zu verantworten. Mit der Herausgabe von 300 UBS-Kundendaten an die USA verstiess Merz gegen das Bankgeheimnis, indem er die ihm unterstellte Finanzmarktaufsicht Finma anwies, den Forderungen der USA nachzukommen. Nicht so eng nahm es Merz auch in der Libyen-Affäre, als er seine Kompetenzen überschritten hatte und ohne Zustimmung
des Gesamtbundesrates einen höchst fragwürdigen Staatsvertrag unterschrieb. Für die Schweiz gravierendere Folgen als der später sistierte Vertrag mit Libyen hatte die von Merz zu verantwortende Datenherausgabe an die USA. Damit trug der FDP-Bundesrat neben der OECD massgeblich dazu bei, wofür die SP während Jahrzehnten erfolglos kämpfte: Eine Lockerung des Bankgeheimnisses. Wenn nun argumentiert wird, der Bundesrat habe darüber formell gar nicht entschieden, wirkt dies nur noch beschämend – ebenso, wie Finma-Präsident Eugen Haltiner zum Sündenbock zu machen. Als Finanzminister und Bundespräsident war Merz über die Absichten der Finma informiert und hat die volle Verantwortung zu tragen. Im Ausland hätte ein Minister in einer solchen Lage längst zurücktreten müssen. Natürlich braucht es auch eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), um die Fakten offenzulegen. Dass die FDP ihren Bundesrat weiter stützt und nicht längst Hand für eine gründliche Untersuchung geboten hat, zeigt, dass sie ebenso wie Merz selber die Tragweite der Fehlentscheide und den Schaden für unser Land noch immer
nicht erkannt hat.

Happy New Year: 2010 wird das Jahr der konjunkturellen Erholung

4. Januar 2010

Die meisten von uns haben heute wieder mit der Arbeit begonnen. Die Wirtschaft kommt langsam wieder ins Rollen. Am ersten offiziellen Arbeitstag fragen sich viele, was uns das Neue Jahr wirtschaftlich bringt. Zunächst dürfen wir optimistischer sein als noch im vergangenen Jahr. 2010 wird das Jahr der Erholung, nachdem wir im 2009 noch durch eine der schwersten Rezessionen in der jüngeren Geschichte gegangen sind. Der Wirtschaftsmotor zum Laufen bringt der Export und die Investitionen der Unternehmen, die langsam wieder anziehen. Und auch der inländische Konsum, der sich sogar in der Krise recht gut gehalten hatte, wird trotz der höheren Arbeitslosenquote nicht absacken.

Wir können also den nächsten Wochen und Monaten zuversichtlich entgegen schauen. Grund für Euphorie besteht allerdings keine: Von einem eigentlichen Aufschwung zu reden wäre völlig übertrieben. Die Erholung ist nur ein zartes Pflänzchen und dem gilt es grosse Sorge zu tragen. Gefordert ist da einerseits die Nationalbank, die nicht zu früh die Zinsen erhöhen darf. Andererseits hängt die Entwicklung in diesem Jahr stark von den Aufträgen aus Deutschland und dem restlichen Ausland ab. Da sind die Vorzeichen ebenfalls besser, sofern es der Nationalbank gelingt, dafür zu sorgen, dass der Schweizer Franken nicht stärker wird. Vorderhand intakt bleiben die Chancen auch an der Börse. Zumindest in den nächsten Wochen erwarte ich keine dramatischen Börsengewitter. Nur schon die Tatsache, dass am Anfang des neuen Börsenjahres viele professionelle Anleger neue Gelder anlegen müssen und auch viele Private noch auf hohe liquiden Geldmitteln sitzen, spricht dafür, dass die Erholung noch ein wenig weiter geht. Ich würde allerdings nicht darauf wetten, dass das Börsenjahr 2010 gleich gut wird wie das vergangene 2009. Seit Mitte März hat sich die Börse ja gewaltig erholt und es möglich gemacht, dass der Swiss Market Index 2009 unter dem Strich doch noch beeindruckende 18 Prozente zugelegt hatte. Persönlich rechne ich damit, dass wir im laufenden Jahr die eine oder andere Korrektur sehen werden. Längst nicht alle Banken sind schon richtig über dem Berg. Das zeigt das Beispiel der UBS. Und auch die gewaltigen Staatsschulden in Amerika und in Europa, etwa in Griechenland, Spanien, Grossbritannien oder Italien, könnten uns in diesem Jahr noch gröbere Kopfschmerzen verursachen. Das Risiko eines möglichen Staats-Bankrottes schwebt weiter über den Finanzmärkten und könnte die schöne Börsen-Party brüsk beenden. Auch sind bereits hohe Erwartungen in den Kursen drin: Das bietet viel Raum für spätere Enttäuschungen. Doch davon wollen wir am heutigen ersten Handelstag noch nichts wissen. Happy New Year: Ich wünsche allen einen guten Start im Job und an der Börse.

Die Schweiz ist eine Insel der Glückseligen

2. Januar 2010

Die Schweiz sei eine «frustrierende Alpen-Demokratie», schrieb der frühere US-Botschafter Peter Coneway über unser Land. Erstmals nimmt der aktuelle Botschafter der USA in Bern, Donald Beyer, zu den Peinlichkeiten Stellung, die nach den Wikileaks-Enthüllungen ans Tageslicht kamen. Die Veröffentlichung geheimer US-Dokumente lehrt uns: Jede noch so vertrauliche Nachricht von Behörden oder Firmen kann morgen schon in der Öffentlichkeit sein. Was so etwas auslöst, hatte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten 1997 erfahren, als die SonntagsZeitung ein Strategiepapier des damaligen Schweizer Botschafters in den USA, Carlo Jagmetti, veröffentlichte, in dem dieser in der Kontroverse um nachrichtenlose jüdische Vermögen von einem «Krieg» in den USA gegen die Schweiz gesprochen hatte. Der Fall hatte zu einem Leiturteil für die Behandlung diplomatischer Depeschen in der Öffentlichkeit geführt.

Für viel Aufregung sorgt neben Wikileaks die Vergabe der WM an Qatar und Russland. Klar, fragt man sich, wie viel die Scheichs den Fifa-Funktionären hingeblättert haben. Klar, ist eine WM in einem Land, wo Fussballstadien heruntergekühlt werden, ein ökologischer Blödsinn. Die WM-Vergabe symbolisiert allerdings die künftigen Machtverhältnisse auf der Welt: Die USA und Europa werden ökonomisch und bevölkerungsmässig unwichtiger, während aufstrebende Länder wie Russland, China, Indien und Arabien den Ton angeben. Schon jetzt entwickelt sich die Region am Persischen Golf zu einem Mittelpunkt des Sports. Künftig vielleicht auch im Sport.