25. November 2009
Mit der geplanten Fusion von Orange und Sunrise entsteht ein Telekomunternehmen, das dem Schweizer Markt-Leader Swisscom einigermassen das Wasser reichen kann. Bis jetzt ist dies nicht der Fall gewesen. Orange und Sunrise sind im Vergleich zur Swisscom eigentlich immer nur die Juniors gewesen, die zwar gegen die Dominanz des starken Berner Telekomriesen mit dem Staat als Grossaktionär wacker gekämpft haben, aber der Swisscom nie ernsthaft die Marktleader-Stellung streitig machen konnten.
Neu muss sich die Swisscom wärmer anziehen. Der Konkurrenzkampf wird härter: Wie im Lebensmitteldetailhandel, wo die Migros zwar den Markt dominiert, aber in Form von Coop einen starken Gegenspieler hat, bekommt jetzt die Swisscom einen echten Konkurrenten. Der Preis der Fusion wird sein, dass es im Schweizer Telekomsektor sicher zu einem grossen Stellenabbau kommen wird. Orange und Sunrise orten ein Synergiepotential von über 3 Mrd. Fr. Ausgeschöpft werden kann dieses nur, indem auch eine grosse Anzahl von Arbeitsplätzen gestrichen wird. Getrieben wird die Konsolidierung auch vom hohen Investitionsbedarf zum Beispiel im Bereich des Glasfasernetzes: da sind Orange und Sunrise gar nicht in der Lage gewesen, mit der Swisscom mitzuhalten.
Unter dem Strich ist die Sunrise die grosse Verliererin – die Orange, welche die neue Firma mit 75% der Aktien dominiert, hingegen klar die Gewinnerin, die ihre Konkurrentin faktisch schluckt. Die Konsequenz dieser Fusion ist, dass der neue Player dank seiner Grösse die dominierende Swisscom ernsthaft angreifen kann – bis auf weiteres wird allerdings die Swisscom weiter die Nummer eins bleiben.
25. November 2009
Nach den Vorstellungen von SP, Gewerkschaftsbund (SGB) und Gewerkschaft Unia sollen auch in der Schweiz Mindestlöhne in der Verfassung verankert werden. Mit dieser Forderung greift die Linke tief in die sozialistische Mottenkiste und landet einen kapitalen Fehlgriff. Laut ihren Vorstellungen müsste der Mindestlohn bei rund 3600 Fr. angesetzt werden. Ebenso weltfremd ist der Vorschlag einer Kommission des Bundes, die einen Mindestlohn für Hausangestellte von 18.90 bis 22.90 Fr. verlangt.
Zu den Qualitäten unseres Wirtschaftsstandortes gehört das freiheitliche Arbeitsrecht. Die im Vergleich zu Deutschland oder Frankreich geringe Regulierung trägt mit dazu bei, dass hierzulande der Arbeitsmarkt gut funktioniert und trotz Krise eine tiefe Arbeitslosenquote aufweist. Gerade internationale Unternehmen ziehen Standorte mit liberalen Rahmenbedingungen vor.
Ein Pluspunkt der Schweiz ist auch die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, die sozialverträgliche Löhne sichert. Während Mindestlöhne der wichtigsten Klientel der Gewerkschaften, den Arbeitern, also keinen Zusatznutzen bringen, führen Mindestsätze bei Hausangestellten dazu, dass diese vermehrt schwarz angestellt werden. Schwer vermittelbare Arbeitskräfte werden gar ganz vom Markt ausgeschlossen. Das Arbeitsrecht ist ein wichtiger Bestandteil einer freiheitlichen Ordnung. Staatlich diktierte Mindestlöhne beeinträchtigen die Privatautonomie und schaden besonders den auf flexible Rahmenbedingungen angewiesenen KMU. Durch Mindestlöhne werden keine Arbeitsplätze geschaffen, aber durchaus Jobs vernichtet.
18. November 2009
We are back – lautet die Botschaft von Oswald Grübel. Nichts weniger als die Rückkehr zu den alten Rekordgewinnen verspricht der UBS-Konzernchef. Wie der legendäre US-Präsident Ronald Reagan, der die Amerikaner 1981 nach dem demütigenden Iran-Fiasko seines Vorgängers Jimmy Carter wieder Selbstbewusstsein lehren musste, versucht Grübel, den verunsicherten Mitarbeitern, Kunden und Aktionären Mut zu machen.
Die Gegensätze könnten nicht grösser sein: Die CS sonnt sich im Erfolg und unterstreicht dies, indem sie mit Roger Federer den weltbesten Tennisspieler als Werbe-Ikone gleich für die nächsten zehn Jahre engagiert. Derweil hat die UBS hart zu kämpfen, damit sie nur schon endlich schwarze Zahlen schafft. Selbst wenn dieses wichtigste Ziel erreicht ist, muss die UBS intensiv trainieren, dass sie in drei oder fünf Jahren die hohe Messlatte schafft. Unterschätzen sollte man die UBS dennoch nicht. Gerade die CS, die in ihrer Geschichte viele Rückschläge verzeichnete und oft den Ruf einer Krisenbank hatte, führt vor Augen, wie schnell sich im Banking die Vorzeichen ändern: Der Loser von gestern ist plötzlich der Winner.
Jetzt muss die UBS beweisen, dass die hochfliegenden Pläne real werden. Wie das geschieht, ist noch zu vage. Grübel setzt alles auf eine Karte: Wenn die Bank die Ziele nicht erreicht, ist sie im Wettbewerb der globalen Banken weg vom Fenster. Das hilft, alle Kräfte zu bündeln. Es zeigt aber auch, dass die UBS für die Schweiz noch lange ein Systemrisiko bleibt. Dies gilt es bei der Festlegung des regulatorischen Rahmens für die UBS und die CS genügend zu berücksichtigen.
11. November 2009
Während in Berlin mit viel Pomp und Prominenz der historische Mauerfall gefeiert wurde, sind Firmen zunehmend mit neuen, oft aber unsichtbaren Mauern konfrontiert: dem Protektionismus. Als Folge der Krise greifen immer mehr Staaten zu Massnahmen, um heimische Produkte gegenüber ausländischen Waren zu privilegieren. Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist nur die Spitze des Eisberges. In allen Bereichen der Wirtschaft mehren sich die Fälle von Protektionismus – oft gefördert von staatlichen Impulsprogrammen.
Dieses Verhalten erinnert an die Krise Anfang der 1930er-Jahre, als viele Länder ihr Heil im Protektionismus suchten und damit das Ausmass der Rezession verschärften. Dabei ist erwiesen: Handelshemmnisse bremsen das Wachstum nachhaltig und schaden besonders exportorientierten Ländern wie der Schweiz, die, anders als die USA oder China, über keinen grossen Binnenmarkt verfügen. Selbst moderate Handelsbarrieren schmälern die Produktivitätsgewinne, die dank der Globalisierung erreicht wurden, erheblich.
Als kleines Land kann die Schweiz direkt wenig gegen den Trend zu mehr Protektionismus unter den Grossen unternehmen. Sie muss aber im eigenen Land Barrieren – etwa in der Landwirtschaft – abbauen. Weiter sollte sie ihre Bemühungen um Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern wie den USA, China und Indien intensivieren und so versuchen, in direkten Gesprächen – wie im Uhrenstreit mit China – Handelsmauern niederzureissen oder wenigstens Türen zu schaffen, die unseren Exportfirmen Raum für einen freien Handel ermöglichen.
9. November 2009
Der Fall der Mauer vor 20 Jahren hat die Geschichte verändert und zur Wiedervereinigung zwischen der damaligen Bundesrepublik Deutschland und der DDR geführt. Bei aller Begeisterung über die gewonnene Freiheit für die Ostbürger stellen sich am heutigen Jubiläumstag des Mauerfalls auch viele die Frage nach den ökonomischen Folgen dieses historischen Ereignisses. Es gibt im heutigen Ostdeutschland Leute, die das Gefühl haben, dass sie vom Mauerfall und der Wiedervereinigung von Deutschland gar nicht wirklich profitiert haben. Tatsache ist, dass das Lohnniveau im Osten nach wie vor massiv tiefer ist als im Westen. Es stimmt auch, dass die Arbeitslosigkeit in den östlichen Bundesländern trotz der milliardenhohen Transferzahlungen praktisch doppelt so hoch ist und es fast keine grosse Firmen gibt, die ihren Unternehmenshauptsitz in den Osten verlegt haben. Wirtschaftlich hinkt Ostdeutschland also eindeutig hinterher. Was man vor 20 Jahren in der ersten Begeisterung unterschätzt hat, ist die heutige Erkenntnis, dass die Wiedervereinigung kulturell und vor allem wirtschaftlich viel mehr Zeit braucht. Ost-Deutschland musste nach dem Mauerfall wirtschaftlich praktisch von vorne beginnen. Die ganze Industrie der DDR war heruntergewirtschaftet. Sichtbar ist der wirtschaftliche Fortschritt aber immerhin in vielen renovierten Städten im Osten, in der besseren Infrastruktur generell und im Tourismus, der langsam zur Blüte kommt. Bis es auch wirtschaftlich zu einer echten Angleichung des Ostens an den Westen kommt, dürften aber wohl mindestens nochmals 20 Jahre vergehen. Trotzdem darf man aus meiner Sicht auch ökonomisch eindeutig eine positive Bilanz der Wiedervereinigung ziehen. Was all die, die in falscher Nostalgie der ehemaligen DDR nachtrauern, nämlich vergessen ist die Tatsache, dass die DDR ja ausgerechnet an ihrem fehlenden, wirtschaftlichen Erfolg und der fehlenden Freiheit der Bürger zu Grunde gegangen ist. Wenn die DDR ökonomisch erfolgreich gewesen wäre, wäre sie nicht zusammengebrochen. Die ökonomische Unfähigkeit des Systems hat dazu geführt, dass weite Teile der Bevölkerung unzufrieden gewesen sind: Genau das ist der Nährboden gewesen für die Massenbewegung, die heute vor 20 Jahren den Mauerfall erst möglich gemacht haben.
4. November 2009
Während CS und Deutsche Bank wieder munter auf der Börsen-Party tanzen, ist die UBS noch immer daran, sich mit einem heftigen Kater von früheren Exzessen zu erholen. Bei allen wichtigen Kennziffern schneidet die UBS im Vergleich zur CS und zur Deutschen Bank schlechter ab. Erschreckend sind beim neusten Quartalsausweis nicht etwa die einmaligen Abschreiber von 2,1 Mrd Fr., welche die UBS erneut tief in die roten Zahlen treiben. Besorgniserregend ist vielmehr die Entwicklung in der Kernsparte Vermögensverwaltung.
Nicht nur in Amerika, auch im Schweizer Geschäft und in der gesamten Vermögensverwaltungssparte werden im grossen Stil Gelder abgezogen. So verbuchte die CS im 3. Quartal Nettoneugelder von rund 17 Mrd Fr., bei der UBS dagegen flossen fast 37 Mrd Fr. ab, davon 16,7 Mrd Fr. allein aus dem Private Banking und dem Schweizgeschäft. Enttäuschend ist hier ebenfalls die Ertragsentwicklung. Selbst die UBS rechnet nicht mit einer raschen Erholung der Neugeldentwicklung. Die Schwäche der UBS im Kerngeschäft Private Banking macht zwei Dinge klar. Erstens: Der momentane Aktienkurs der UBS enthält zu viel Vorschusslorbeeren. Und zweitens: UBS-Konzernchef Oswald Grübel hat dringenden Handlungsbedarf. Am Investorentag vom 17. November 2009 muss er zeigen, wie die Bank den Geldabfluss stoppt und die Ertragsqualität im Kerngeschäft Private Banking verbessert. Schon jetzt ist die CS beim Börsenwert die Nummer eins in der Schweiz. Wenn Grübel nicht bald die Wende schafft, verliert die UBS vollends den Anschluss an die nationale und internationale Konkurrenz.
2. November 2009
Grosses Thema zum Wochenanfang ist auf dem Schweizer Finanzplatz die Eskalation des Steuerstreits der Schweiz mit Italien. Gestern hat Bundesrat Merz die Verhandlungen zum neuen Doppelbesteuerungsabkommen mit Italien kurzerhand gestoppt. Dieser Schritt bedeutet, dass der Ton zwischen den beiden Länder schärfer wird. Bundespräsident Merz macht jetzt das, was ihm in letzter Zeit alle geraten haben: Er lässt sich nicht mehr alles bieten, sondern gibt sich kampfbereit. Im Konflikt mit Deutschland, den USA, aber auch in der Libyen-Affäre mit Diktator Muammar al-Gaddafi haben dem Bundespräsidenten viele vorgeworfen, er sei zu zahm gewesen. Jetzt versucht Merz gegen Italien eine andere Strategie und die Italiener mit der Sistierung der Verhandlungen für ein neues Doppelbesteuerungsabkommen zur Vernunft zu bringen. Die Reaktion erachte ich als richtig. Nachdem ja in der Vergangenheit der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück die Schweiz wegen des Bankgeheimnisses noch mit der Kavallerie gedroht hatte, sendete der italienische Finanzminister Giulio Tremonti kurzerhand die Finanzpolizei los, die in Italien Razzien bei über 70 Filialen von Schweizer Banken durchgeführt hatte. Störend ist, dass bei dieser Massnahme gegen mögliche Steuersünder ausschliesslich Schweizer Banken im Visier der Italiener sind. Dazu kommt, dass Italien an der Grenze Autos elektronisch überwacht und offenbar auch italienische Steuerfahnder in Lugano und anderen Tessiner Gemeinden herumschnüffeln, um Steuersünder zu finden. Das ist eine klare Verletzung der Souveränität der Schweiz.
Die Probleme häufen sich: Zuerst hat uns Amerika erpresst, dann hat uns Deutschland gedroht und jetzt geht auch noch Italien mit Agentenmethoden gegen die Schweiz vor. Eine mögliche Lösung bietet eine Abgeltungs- oder Quellensteuer mit der europäischen Ländern. In diesem Fall wären unsere Banken verpflichtet, die Steuerbeträge der Ausländer an der Quelle zu erheben und anonymisiert ins Ausland zu überweisen. Die ausländischen Staaten würden also die begehrte Steuer von ihren Staatsbürgern bekommen, trotzdem würde das Bankgeheimnis in der Schweiz nicht einfach aufgehoben, weil die Namen der Kunden nicht genannt werden. Damit wäre die Privatsphäre der Kunden weiter gesichert.
Vor allem das Tessin und den Finanzplatz Lugano leiden momentan stark. Wegen dieses Angriffs und der Steueramnestie in Italien fliessen momentan Gelder ab. Das ist aber nur temporär. Ich bin sicher, dass viele Italiener auch später wieder Gelder in die Schweiz bringen. Die hohen Steuern in Italien sind nur ein Grund. Mindestens so wichtig ist, dass viele Italiener ihrem Staat und der Regierung ganz einfach nicht trauen. In der Schweiz glauben sie ihr Geld sicherer. Auffallend ist auch, dass immer mehr reiche Italiener wegen dem erhöhten Druck der Steuerfahnder kurzerhand ins Tessin auswandern. Damit könnte das aggressive Vorgehen Italiens gegen die Schweiz für die Italiener sogar zu einem Bumerang werden.