28. Oktober 2009
Wir sind «glaubwürdig, anerkannt und werden von Bevölkerung, Politik und Wirtschaft getragen», heisst es in der Vision der Schweizer Armee. Doch genau diese Glaubwürdigkeit setzt ausgerechnet das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) aufs Spiel. Das Hin und Her um die Kampfjetbeschaffung, das teure Chaos in der VBS-Informatik, der Streit um die Anti-Pirateneinsätze vor Somalia und zuvor die Affäre Nef machen unser Militär in der Öffentlichkeit zur Lachnummer.
Dies geschieht in einer Zeit, in der immer mehr Leute am Sinn unserer Armee zweifeln und in Kürze über die Initiative der Gruppe Schweiz ohne Armee abgestimmt wird, die ein Exportverbot für Kriegsmaterial verlangt. Selbst in der Wirtschaft verliert die Armee als Kaderschmiede für Führungskräfte angesichts der Peinlichkeiten im VBS an Rückhalt. Das VBS mit der Armee gleichzusetzen, ist aber ein Fehler. Trotz Pleiten und Pannen im Departement hat die Armee ihre Existenzberechtigung keineswegs verloren. Sie ist Garant für Sicherheit und Freiheit sowie Ausdruck unserer Souveränität. Damit die Landesverteidigung nicht noch mehr Schaden nimmt, ist es höchste Zeit, dass Bundesrat Maurer das VBS ausmistet. Vor allem aber sollte die Politik endlich klar sagen, was sie mit der Armee will. Ebenso wie viele Firmen muss sich die Armee auf ihre Kernaufgaben fokussieren. Statt sich in sinnlosen Auslandeinsätzen zu verzetteln, sollte sie sich als moderne Milizarmee aufstellen, die über die nötige Infrastruktur verfügt, um ihren wichtigsten Auftrag zu erfüllen: Den Schutz unseres Landes.
26. Oktober 2009
Die grosse Frage am Anfang dieser Woche lautet: Fällt der Dollar in den nächsten Tagen deutlich unter einem Franken? Heute ist die US-Währung nur noch praktisch einen Franken Wert. Weil der Dollar immer schwächer wird, stellen jetzt sogar Grossbanken die Rolle des Dollars als Welt-Leitwährung in Frage. Könnte der Dollar diese Rolle als Welt-Leitwährung wirklich verlieren? Ganz so absurd, wie sich das auf den ersten Blick anhört, ist dieser Gedanke meines Erachtens nicht. Immerhin war ja Mitte des 18. Jahrhundert nicht der Dollar die Leitwährung der ganzen Welt, sondern das britische Pfund. Der Niedergang der britischen Wirtschaft und die Schwäche des Pfunds hatten aber dazu geführt, dass nach dem 2. Weltkrieg der Dollar diese Rolle übernahm. Schon jetzt suchen viele Investoren Alternativen zum Dollar. Eine Möglichkeit bietet der Euro, der gegen den Dollar immer stärker wird. Die Schwäche des Dollars, auch gegenüber dem Schweizer Franken, ist auf die gewaltigen Staatsschulden der USA und die rekordtiefen Zinsen in Amerika zurückzuführen. Langfristig droht in Amerika eine Inflation. Crash-Propheten befürchten sogar eine massive Geldentwertung in den USA. All das führt dazu, dass immer mehr Leute den Dollar meiden und die Währung immer billiger wird. Ist es denn möglich, dass de Dollar bald nur noch 80 Rappen kostet? Soweit würde ich nicht gehen. Aber Kurse zu 95 oder in Richtung von 90 Rappen erachte ich als wahrscheinlich. Eine temporäre Erholung ist allerdings möglich, wenn die US-Notenbank schneller als erwartet die Zinsen erhöhen würde. Trotzdem glaube ich, dass der Grundtrend beim Dollar in den nächsten Jahren weiter nach unten zeigt. Sogar bekannte Grossbanken, wie die Bank of America oder die HSBC, haben neuerdings Szenarien entwickelt, die ernsthaft einen Abstieg des Dollars als Weltleitwährung beinhaltet. Beide Institute rechnen damit, dass der Dollar entweder schrittweise durch einen Korb von unterschiedlichen Währungen oder langfristig sogar durch den chinesischen Renminbi ersetzt wird. Die Grossbanken ziehen denn auch Parallelen zur Ablösung des britischen Pfunds durch den Dollar: Bis in 50 Jahren werde ohnehin nicht mehr Amerika, sondern China die Weltwirtschaft dominieren, glauben die Analysten. Da sei es nur logisch, dass dann auch der chinesische Renminbi die Weltleitwährung werde. Das ist meines Erachtens momentan noch Zukunftsmusik. Aber es wäre schon eine besondere Ironie, wenn später ausgerechnet die Währung des kommunistischen China den Dollar und damit das Symbol des kapitalistischen Amerikas vom Thron stossen würde.
22. Oktober 2009
Bei der Credit Suisse herrscht heute Party-Stimmung: Die Champagner-Korken können wieder wie in den guten alten Zeiten vor der Krise knallen. Die Bank hatte für das dritte Quartal einen Gewinn von 2,4 Mrd. Franken bekanntgegeben. Das ist viel mehr als man erwartet hatte. Doch statt begeistert zu applaudieren, hat die Börse die Credit Suisse heute zeitweise richtiggehend abgestraft. Da fragt sich mancher: Was hat denn heute die Party der CS vermiest? Nun, die CS hat die Party gut vorbereitet und mit ihren Quartalszahlen durchaus einen spektakulären Rahmen gesetzt. Aber bei den Gästen ist trotzdem nicht richtig Party-Stimmung aufgekommen. Viele fragen sich nämlich, wie nachhaltig die hohen Gewinne bei der CS tatsächlich sind. Anders als im Vermögensverwaltungsbereich, der aufgrund des erfreulichen Nettoneugeldzuflusses als robust gilt, gibt es bei der Gewinnqualität im Investment Banking zu Recht einige Zweifel. Das Resultat der CS in diesem Bereich ist zwar eine beeindruckende Leistung. Aber gerade das Investment Banking unterliegt sehr starken Marktschwankungen. Im nächsten Jahr dürfte das Umfeld härter werden. Es braucht in diesem Risiko-Geschäft extrem wenig und aus den traumhaften Gewinnen werden wieder dramatische Verluste. Dazu kommt, dass beim Resultat Einmaleffekte mitgespielt haben und die CS-Aktien seit Jahresanfang bereits mehr als unglaubliche 100 Prozent angestiegen sind. Die Party-Besucher haben also schon längst viel Champagner getrunken und sind jetzt trotz der guten Nachrichten ein wenig gesättigt. Die CS hat durchaus Grund zur Freude und Stolz nach dem guten Quartalsergebnis. Aber mir geht es so wie vielen an der Börse, die der Partystimmung nicht mehr so richtig trauen und nicht mehr im Festzelt stehen möchten, wenn plötzlich ein rauer Herbstwind aufzieht.
21. Oktober 2009
Das wars dann wohl: Der Swiss Market Index klettert auf ein 52-Wochen-Hoch. Die Credit Suisse macht wieder schöne Gewinne. Selbst die UBS rappelt sich auf. Und die Millionenboni der Banker geben uns das Gefühl, dass wir die Krise überstanden haben. Welche Lehren haben wir gezogen? Wenn wir ehrlich sind: Ziemlich wenige. Zugegeben, ein paar Marktteilnehmer sitzen nicht mehr am Tisch, einige haben viel Geld verloren, aber im grossen Ganzen gehen wir mit ein paar Schrammen munter auf dem gleichen Pfad weiter wie vor der Krise.
Wir haben uns lediglich darauf konzentriert, das Finanzsystem zu reparieren, nicht aber, es zu überdenken. Auch die Anreizsysteme bei den Entschädigungsmodellen wurden längst nicht in allen Banken genügend konsequent umgebaut, um sowohl ökonomisch als auch gesellschaftspolitisch gefährliche Auswüchse zu verhindern. Schnell zufrieden gibt sich auch die Politik: Ihre Milliarden haben zwar erfolgreich geholfen, die Symptome der Krankheit zu bekämpfen, sie haben aber gleichzeitig die Schuldenberge erhöht und ebenso wie die rekordtiefen Zinsen die Basis für die nächste Krise gelegt.
Herzinfarkt hin oder her: Eigentlich wollen wir nichts ändern, sondern rasch zurück an die Party. Spätestens wenn die Abwrackprämien nicht mehr greifen, die Konjunkturerholung verpufft und die Börse korrigiert, sollten wir den Mut zu Innovationen fassen, um das Finanzsystem nachhaltiger aufzustellen. Das geht nicht über eine Gesetzesflut, sondern muss von den Banken und der Finanzindustrie selbst kommen. Nur wenn sich der Patient selbst ändert, verhindert er den Kollaps.
6. Oktober 2009
Die Migros senkt die Preise und Coop reagiert postwendend: So macht Wettbewerb Spass. Dieser Preiskampf nützt nicht nur den Konsumenten, sondern sorgt auch dafür, dass der Detailhandel seine Produktivität verbessert. Beschaffungs-, Logistik und Vertriebsprozesse werden optimiert, was weit über die Grossverteiler hinaus auf Zulieferbetriebe ausstrahlt. Auch diese werden gezwungen, mittels Informations- und Kommunikationstechnologien ihre Abläufe zu vereinfachen. Damit entwickelt sich der Detailhandel immer mehr zu einer dynamischen Branche, die der gesamten Volkswirtschaft wichtige Impulse verleiht.
Positiv wirkt sich auch die Präsenz von Aldi und Lidl aus, die den Preiswettbewerb im Schweizer Detailhandel verschärfen. Angst vor deflationären Tendenzen muss man trotz der neusten Preisrunde bei Migros und Coop allerdings nicht haben. Während die Preise auf ausgewählten Artikeln sinken, werden sie auf Spezialprodukten, die den Käufern etwas mehr Luxus oder Nachhaltigkeit versprechen, still und leise angehoben.
Dass Coop innert 24 Stunden auf Preissenkungen der Migros nachzieht, belegt: Es besteht noch Spielraum für Preisreduktionen. Noch sind viele Produkte hierzulande zu teuer. Eine rasche Umsetzung des Cassis-de-Dijon-Prinzips sowie der härtere Wettbewerb tragen zur Annäherung der Hochpreisinsel Schweiz ans Ausland bei. Damit der Detailhandel seine wichtige Rolle als Motor für die Binnenwirtschaft besser entfalten kann, sind aber auch längst überholte regulatorische Rahmenbedingungen, etwa beim Agrarprotektionismus oder den Ladenöffnungszeiten, endlich zu vereinfachen.