«Abzocker»-Streit: Wirtschaft sollte jetzt einlenken
17. Februar 2010
Die Olympia-Medaillen sind Balsam für die geschundene Schweizer Seele. Sie geben der Nation das zurück, was durch Angriffe aus dem Ausland in der Steueraffäre und durch die hilflose und duckmäuserische Politik des Bundesrates Schaden genommen hat: Selbstvertrauen. Was einige wenige in Politik und Wirtschaft geschwächt haben, bauen die Sportler mit ihren Glanzleistungen wieder auf. Ihre Begeisterung wirkt ansteckend und bietet die Chance, Gräben zu überbrücken.
Sportliche Spitzenleistungen allerdings können nur psychologische Wirkung erzielen. Mit konkreten Taten gilt es, den Graben zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, der aufgrund von Fehlleistungen einiger weniger immer tiefer wird, zuzuschütten. Eine Gelegenheit bietet das Gefeilsche um die «Abzocker»-Initiative und die möglichen Gegenvorschläge.
Wenn die Wirtschaft nicht in Kauf nehmen will, dass das Vertrauen in sie bei einer breiten Bevölkerungsschicht noch mehr abnimmt, muss sie jetzt zusammen mit der FDP rasch Hand zu einem tragfähigen Kompromiss bieten. Konkret gilt es, den Widerstand gegen eine Abstimmung an der GV über die Gesamtsumme der Bezüge von Geschäftsleitung und VR sowie die jährliche Wiederwahl von Verwaltungsräten aufzugeben. Natürlich wird dadurch der Handlungsspielraum der Firmen eingeschränkt. Dies ist aber weniger problematisch, als wenn die «Abzocker»-Initiative nicht zurückgezogen wird und es zu einem aufreibenden Abstimmungskampf kommt. Angesichts schwer nachvollziehbarer Boni würde es in dieser Schlacht auf Seiten der Wirtschaft nur Verlierer geben.
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